Archiv für März, 2009

Erster Punkt im ersten Rennen für Buemi

Tost

Mit den Rängen Acht und Neun für Buemi und Bourdais war man bei der Scuderia Torro Rosso sehr zufrieden. Sebastien Buemi holte bei seinem Formel 1-Debüt in Melbourne auf Anhieb seinen ersten WM-Punkt. Klar, dass es da Grund zur Freude gab. Der Schweizer hatte seinen zehnten Platz im Rennen lange Zeit hart verteidigen müssen. Der Zwischenfall von Robert Kubica und Sebastian Vettel war letzten Endes noch das Quäntchen Glück für Torro Rosso, welches Buemi diesen ersten Zähler bescherte.

“Erstes Rennen, erster Punkt – ich bin sehr glücklich”, freute sich der Rookie Sebastien Buemi von der Scuderia Torro Rosso. “Vielleicht hatten wir auch ein wenig Glück mit den ganzen Unfällen. Aber auch ohne die waren wir nicht so schlecht und unsere Strategie hat richtig gut funktioniert. Ich bin wirklich sehr glücklich damit, wie mein Rennen verlaufen ist.”

“Ich habe einen Fehler gemacht, als ich neben Massa war und den Speed-Limiter drückte”, analysierte der Schweizer weiterhin. “Aber als er das KERS abfeuerte, konnte man deutlich die Vorteile sehen, die es mit sich bringt. Ich bin zufrieden mit dem, was heute passiert ist. Weil beim ersten Rennen einen Punkt in der Tasche zu haben, nimmt sehr viel Druck von dir. Das Team hat einen fantastischen Job gemacht. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir mit dem Auto nicht viel testen konnten bevor wir hier herkamen. Es ist wirklich ein Traum und absolut nicht das, was ich noch am Freitag erwarten durfte. Es zeigt, dass wir eine ganze Menge Potenzial haben.”

 

Teamkollege und Ex-Champcar-Sieger Sebastien Bourdais kam einen Rang hinter seinem Teamkollegen auf neun über den Zielstrich. “Ich hatte einen wirklich harten ersten Teil des Rennens”, erklärte der Franzose. “Meine weichen Reifen wurden schon nach nur drei Runden körnig. Einige Autos haben mich da überholt. Daher hat mich mein Team reingerufen. Der zweite Stint war nicht so schlecht. Als das Safety Car rauskam war klar, dass wir noch mal tanken mussten, um ins Ziel zu kommen. Ein paar mehr Safety Cars hätten uns demzufolge geholfen. Ich habe einen letzten Stint von 36 Runden gefahren und im ersten Teil fühlte sich das Auto mit dem vielen Benzin an Bord ein wenig wie ein Wohnmobil an. Ich hatte eine sehr brenzlige Situation und war glücklich keinen Unfall zu bauen. Dann ist auch noch ein Anschnallgut lose geworden und ich musste einen Weg finden, mich im Auto wieder fest zuschnallen. Ich denke, dass wir in Malaysia nächste Woche etwas stärker sein werden.”

Auch Teamchef Franz Tost war sichtlich angetan von der Leistung seiner Jungs. “Buemi – erstes Rennen und gleich ein Punkt: Das ist der Start in eine gute Karriere”, sagte der Österreicher. “Wenn du bei deinem Debüt einen Punkt holst zeigt das, dass der Fahrer Talent hat und Dank Red Bull ist er jetzt Fahrer bei uns. Er war schon im Qualifying gut und mit etwas mehr Glück hätte er es auch ins Q2 geschafft. Das haben wir uns für Malaysia vorgenommen. Er lag schon nach der ersten Runde auf rang zehn und ist ein Rennen ohne Fehler gefahren. Er hat seine Position wacker verteidigt und hatte einen interessanten Kampf mit Rosberg. Er ist auf dem richtigen Weg und ich denke, dass wir einen richtig guten Fahrer in unserem Line-Up haben.”

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Michael Schumacher sieht Rückstand zu Brawn

Sie konnten voll entwickeln

 

Alle sind begeistert vom auferstandenen Brawn GP Team. Vom Neuling, der im ersten Rennen einen Doppelsieg holt. Michael Schumacher relativiert: “Man muss ja das Brawn Team in Anführungszeichen setzen. Das ist ja eigentlich das Honda Team”, so der frühere Wegbegleiter von Teamchef Ross Brawn.

Die Ressourcen, die Honda im letzten Jahr gehabt habe, habe Brawn voll nutzen können. “Sie haben sich das ganze Jahr darauf konzentriert, dieses Auto zu entwickeln, und das sind natürlich entscheidende Vorteile, die die Top-Teams nicht hatten, die in der Weltmeisterschaft aktiv waren”, erklärt Schumacher den Rückstand von Ferrari und McLaren. “Die mussten zweigleisig fahren, das nimmt gerade bei so signifikanten Regeländerungen doch mehr Kapazitäten weg, als allen lieb ist. Das ist jetzt die Konsequenz daraus.”

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Hamilton auf Platz 4 vorgefahren

Bester mit KERS

Die Vorzeichen sprachen gegen Lewis Hamilton. Sein Auto hat nicht genügend Downforce, ist also zu langsam, um ganz vorne mitzufahren. Hinzu kam ein Getriebewechsel, der ihn auf Startplatz 18 zurückwarf, wenn auch nicht sehr weit, da er ohnehin nur auf Platz 15 stand. Trotzdem gab er nicht auf und glaubte daran, dass er noch nach vorne fahren könne.

“Es war eines der härtesten Rennen meiner Karriere”, gab er nach Platz 4 in Melbourne zu. “Es war wirklich sehr hart. Das Auto war wirklich schwer zu fahren. Danke an Gott, dass ich es überhaupt nach Hause gebracht habe.”

Lob gab es vom Motorsportchef: “Lewis auf Platz vier und bestes Auto mit KERS – das ist mehr als beim Start von Platz 18 erwartet”, freute sich Norbert Haug. “Trulli war während der Safety Car Phase neben der Strecke, Lewis überholte auf Platz 3, ließ Trulli aber wieder durch.”

Mit der Spitze konnte Hamilton jedoch nicht mithalten. “Mein Auto ist nicht unbedingt das Beste”, gesteht er. “Mit dem Abtrieb ist das noch nicht ganz so gut. Mit KERS geht aber vielleicht noch etwas.”

Neben Hamilton fuhren sein Teamkollege Heikki Kovalainen (Ausfall nach Kollision), die beiden Ferrari (beide ausgefallen), Nick Heidfeld (11.) und die beiden Renault von Fernando Alonso (6.) und Nelsinho Piquet (Ausfall nach Dreher) mit KERS.

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Brawn träumt von mehr

Ein schwieriges Rennen

Technischer Direktor, Teamchef, Teammitbesitzer und Superhirn: Ross Brawn hat viele Namen. Seit der Zieldurchfahrt von Melbourne auch noch einen weiteren: “Du bist eine Legende”, funkte der frisch gebackene erste GP-Sieger des Jahres, Jenson Button, an die Box zurück.

“Mit dem, was wir heute geleistet haben, ist alles möglich”, freute sich die Legende im TV-Interview. “Wer weiß, die Konkurrenz wird schnell nachlegen. Träumen darf man aber.”

Das Rennen sei, trotz des Doppelsieges, schwierig gewesen. “Vor zwei, drei Wochen ist das Team neu auferstanden. Es ist sensationell, was da passiert ist”, konnte er es selbst kaum glauben. “Ein paar Gläser Champagner dürfen es schon sein.”

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Button führt Brawn-Doppelsieg an

Der zweite Sieg

 

Wenn es ein Sieg werden würde, war von vorneherein klar, dass es ein denkwürdiger wäre. Im ersten Rennen des neuen Rennstalls (jedenfalls offiziell laut Nennliste, ansonsten ist Brawn GP natürlich das ehemalige Honda Team, was wiederum das ehemalige British American Racing Team war) gab es den ersten Sieg – ein Ziel, das BAR einst schon für die Debütsaison 1999 angepeilt hatte. Schlappe zehn Jahre später haben sie es geschafft.

Aber nicht nur das ist denkwürdig. Vor einem Monat bangte das Team noch um eine Übernahme, ums Überleben. Jetzt ist es überlegener GP-Sieger. Aber so lange die Technik (nach nur sieben Testtagen) durchhielt, war eigentlich schon vor Rennstart des Australien GP 2009 klar: Jenson Button oder Rubens Barrichello würden das Rennen für sich entscheiden. Die Frage war nur: Würde es der denkwürdige 200. Sieg eines britischen F1-Piloten oder der denkwürdige 100. Sieg eines brasilianischen F1-Piloten?

Buttons Park-Spazierfahrt

 

Die Antwort: Jenson Button holte seinen zweiten GP-Sieg nach Ungarn 2006 und den ersten Sieg eines “neuen” Teams seit Jody Scheckter im Wolf in Argentinien 1977. Ganz so überlegen wie von einigen Fahrern befürchtet waren die Rückstand am Ende des Rennens aber nicht: Nach einem späten zweiten Boxenstopp, um die weiche Reifen abzuholen, lag Button nur rund zwei Sekunden vor Sebastian Vettel und ein paar mehr auf Robert Kubica.

Drei Runden vor Schluss setzte Kubica mit den besseren, harten Reifen zum Überholmanöver gegen Vettel auf den schlechteren, weicheren Reifen an, Vettel zog innen mit und kollidierte mit dem Polen. “Ich bin ein Idiot, es tut mir sehr, sehr leid”, entschuldigte sich Vettel direkt im Anschluss per Funk bei seinem Team.

Nach der Kollision konnte Vettel seinen dreirädrigen Red Bull noch anderthalb Runden um den Kurs schleppen, dann stellte er ihn am Streckenrand ab. Kurz nach der Kollision flogen sowohl Vettel als auch Kubica mit einem Dreher ab, wobei der Pole seinen BMW Sauber in die Mauer setzte und die zweite Safety-Car-Phase des Rennens auslöste, die bis Rennende anhielt. So überquerten die ersten Drei Button, Barrichello und Trulli die Ziellinie ohne einen Zweikampf.

Durcheinander am Start

 

Die neue Saison began mit einem großen Knall, allerdings nicht wie von vielen Fahrern vermutet, weil die neuen Frontflügel so breit und anfällig sind, sondern weil Rubens Barrichello auf Startplatz 2 beinahe stehen blieb, erst sehr spät wegkam und weit zurückfiel.

Im Mittelfeldgerangel quetschte sich Barrichello dann in die Kurve und löste eine Kettenreaktion mit Heikki Kovalainen, Mark Webber und Nick Heidfeld aus, die ineinander geschoben wurden, so dass sich Heidfeld ins Gras drehte. Von hinten rauschte auch noch Adrian Sutil in die Kollision und verlor seinen Frontflügel. Bis auf Barrichello mussten alle Beteiligten nach der ersten Runde die Box aufsuchen, um Flügel und Reifen wechseln zu lassen. Kovalainen musste ganz aufgeben. Nur der Brasilianer fuhr mit einem angeschlagenen Frontflügel weiter.

Rambo-Manöver und SC-Phase

 

Rubens Barrichello sollte auch in den nächsten Runden für Action sorgen. Während Nico Rosberg sauber an Kimi Räikkönen vorbeiging, versuchte sich danach der Brasilianer an einem Überholmanöver – das ihm gelang, allerdings nur mit einem Kontakt mit dem rechten Hinterrad des Finnen. Dabei flogen weitere Teile von Barrichellos Frontflügel ab. Einen neuen erhielt er erst einige Runden später bei seinem ersten Boxenstopp.

Diesen absolvierte er, wie viele andere Fahrer auch, während einer Safety-Car-Phase. Was war passiert? Kazuki Nakajima hatte seinen Williams auf dem Randstein verloren und war in die Mauer abgebogen. Die anschießende SC-Phase dauerte über mehrere Runden, bis alle Überrundeten richtig einsortiert waren – dank der neuen SC-Regel blieb die Boxengasse allerdings geöffnet, so dass keine Autos ohne Sprit liegen blieben oder eine Strafe riskieren mussten.

Aber auch unter dem neuen Reglement gibt es Probleme bei Boxenstopps: Bei Nico Rosberg klemmte es vorne links, bei Giancarlo Fisichella klemmte es bei der Findung der richtigen Boxencrew – der Italiener fuhr fast an seiner Truppe vorbei und musste erst in Position geschoben werden. Als das Rennen in Runde 24 endlich wieder freigegeben wurde, war es für Nelsinho Piquet schon beendet: Er verlor beim Anbremsen der ersten Kurve neben Nico Rosberg das Auto und flog ins Kiesbett. Der Brasilianer beklagte sich im Funk, dass seine Bremsen “verrückt” gespielt hätten.

Desaster bei Ferrari

 

Für eines der Topteams des letzten Jahres, Ferrari, war der Australien GP ein Desaster. Schon kurz nach dem Start wurden beide Autos mit den weichen Reifen von der Konkurrenz überholt und fielen zurück. Noch schlimmer erwischte es die Roten in der Schlussphase: Felipe Massa rollte mit einem technischen Defekt an die Box zurück, Kimi Räikkönen stellte seinen F60 ebenfalls nach fünf Boxenstopps an der Box ab.

Besser erwischte es McLaren Mercedes. Die Silbernen mussten zwar früh auf Heikki Kovalainen verzichten, der schon am Start unverschuldet abgeschossen wurde, dafür kam Lewis Hamilton nach den Irrungen der Schlussrunden von Platz 18 bis auf Platz 4 nach vorne. Hinter ihm belegten Timo Glock und Fernando Alonso die Ränge 6 und 7. Glock setzte sich in einem rundenlangen Duell gegen den spanischen Ex-Weltmeister durch. Die Top-8 komplettierten Nico Rosberg und Sebastien Buemi. Für den Deutschen wäre mehr drin gewesen, für den Schweizer ist es der erste Punkt im ersten F1-Rennen.

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