Archiv für August, 2009

Schumacher freut sich über Sieg

Kartfahren in Kerpen

In Valencia war Michael Schumacher noch als Ferrari-Berater und Helfer für Luca Badoer vor Ort, in Spa-Francorchamps glänzte er durch Abwesenheit. Trotzdem freute er sich mit seinem Team über den ersten Saisonsieg von Kimi Räikkönen.

“Es war Zeit, dass der Knoten bei uns in dieser Saison mal reißt”, so der Rekordweltmeister auf seiner Website. “Dieser Sieg bestätigt, was unser Teamchef Stefano Domenicali immer sagt: dass Ferrari ein Team ist, das man nie abschreiben darf und das selbst in harten Zeiten Kampfgeist und sportliche Motivation beweist. Wie gesagt, ich freue mich sehr für die Jungs, die jetzt erhobenen Hauptes nach Monza fahren können.”

Er selbst war an diesem Wochenende in seiner alten Heimat auf der Kartbahn in Kerpen unterwegs. “Weil ich schon mal hier war, bin ich auch gleich bei den Rennen mitgefahren”, verriet er. “Ging gut, muss ich sagen, ich wurde Zweiter im ersten Finallauf und Erster im zweiten. Der Nacken war okay, ich spüre ihn noch ein ganz klein wenig, aber lange nicht so wie nach dem Formel-1-Tag. Aber Kartfahren ging ja schon in der Woche nach diesem Tag, die Belastung ist eben doch viel geringer.”

Eine Art Aufbautraining für ein F1-Comeback waren die Kartrennen aber nicht: “Wer dahinter Training für ein späteres Comeback in der Formel 1 vermutet, interpretiert viel zu viel in dieses Spaßrennen hinein”, betonte er. “Ich habe hier Freunde getroffen und ein schönes Wochenende verlebt, inklusive doch einiger Telefongespräche mit Luca, den Ingenieuren und Stefano in Spa. Mehr nicht.”

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Foto: Sutton

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Button nach Ausfall enttäuscht

Genug Platz gelassen

So langsam wird es heiß für Jenson Button. Nachdem er in Valencia nur zwei Punkte holte, gab es in Belgien den ersten Ausfall des Jahres. Bereits vor dem Wochenende wurde Kritik laut, dass Button seit einigen Rennen nicht mehr derselbe sei wie zu Saisonbeginn.

Sein Teamchef Ross Brawn glaubt nicht, dass Button unter Druck zusammenbricht. “Es lastet viel Druck auf den Fahrern, Druck, den sie noch nie erlebt haben, aber er muss sich daran gewöhnen”, sagte Brawn der BBC. “Und er geht damit sehr gut um.” Sein psychologisches Hilfsmittel ist die schwierige Zeit im Winter: “Ich sage ihnen: Schaut sechs Monate zurück, da hatten wir noch gar kein Team. Egal, was passieren wird, es wird ein riesiger Bonus für uns sein.”

Trotzdem wäre Button gerne weiter gekommen als bis Kurve 5. “Ich hatte einen sehr guten Start, kam an Lewis [Hamilton] vorbei und Rubens [Barrichello] hatte sein Problem. In Kurve 1 wurde ich nach außen gedrängt, aber ich machte vier Plätze gut.” Auf dem Weg zu Kurve 5 ging er an Heikki Kovalainen vorbei, bremste und lenkte in die Kurve ein. “Ich war noch immer außen und Grosjean verbremste sich und traf mich hinten. Ich glaube nicht, dass er versuchte, mich zu überholen.”

Der Franzose beurteilte die Situation anders: “Ich hatte einen sehr guten Start, kam bis auf Platz 13 nach vorne und hatte eine gute Pace, aber dann schoss mich Button in Kurve 5 ab und das war es für mich.” Lewis Hamilton stützte aber Buttons Sicht der Dinge: “Als Romain Grosjean Jenson in Kurve 5 umdrehte, versuchte jeder ihm auszuweichen, ich wurde langsamer, um Schaden zu vermeiden, aber einer der Fahrer hinter mir, der das gleiche versuchte, traf mich.”

So oder so: Button war nach dem Ausfall enttäuscht. “Es ist frustrierend, so auszuscheiden, besonders, wenn man bedenkt, dass ich am Start einige Plätze gutgemacht und Rubens sein Problem hatte, was gut für mich war. Es ist das erste Mal, dass ich in diesem Jahr nicht ins Ziel gekommen bin und grundsätzlich lag es daran, dass ich 14. in der Startaufstellung war.” Fürs nächste Rennen nimmt er sich also ein besseres Qualifying vor.

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McLaren mit Rang 6 zufrieden

Keine Siegchance

Die Formel 1 ist schnelllebig, ganz besonders in dieser Saison. In Ungarn war McLaren Mercedes noch das Maß der Dinge, in Valencia fuhr man in die erste Startreihe und um den Sieg und in Belgien war Norbert Haug schon mit einem sechsten Platz zufrieden. “Das war das Beste, was wir heute erreichen konnte”, sagte der Mercedes-Motorsportchef. Immerhin hatte sich Heikki Kovalainen von Platz 15 gut nach vorne gearbeitet.

“Es war ein gutes Rennen für mich”, stimmte der Finne zu. “Heikki fuhr sehr stark, optimierte seine Einstoppstrategie, die eine schwere Benzinladung nach sich zog und achtete dabei auf seine Reifen”, lobte Teamchef Martin Whitmarsh.

“Obwohl unsere Rennpace nicht so gut wie bei den letzten zwei Rennen war, funktionierte unsere Strategie perfekt und ich konnte einige Jungs überholen, die vor mir gestoppt haben”, erklärte Kovalainen, der jedoch weiß, dass noch nicht alles perfekt ist. “Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um auf Medium-Downforce-Strecken konkurrenzfähig zu sein, aber Monza sollte eine ganz andere Strecke mit sehr wenig Downforce sein. Dort sind wir traditionell ziemlich gut.”

Darauf baut auch Lewis Hamilton, dessen Spa-Rennen schon in Kurve 5 endete. “An manchen Tagen läuft es eben richtig schief – und heute war so ein Tag”, gestand der amtierende Champion. “Ich hatte einen schlechten Start, das Anti-Stall-System griff ein und ich wurde in der ersten Kurve in ein Sandwich gepresst – dabei verlor ich einen Teil meines Frontflügels.” Aber dem nicht genug: “Als Romain Grosjean Jenson in Kurve 5 umdrehte, versuchte jeder ihm auszuweichen, ich wurde langsamer, um Schaden zu vermeiden, aber einer der Fahrer hinter mir, der das gleiche versuchte, traf mich.”

Whitmarsh bezeichnete die Kettenreaktion mit Jaime Alguersuari als Rennunfall: “That’s Racing.” Auch Hamilton hat den Zwischenfall bereits abgehakt. “Ich bin enttäuscht, aber wir werden zurückkommen und versuchen, dieses Rennen im nächsten Jahr zu gewinnen.” Dann mit einem schnelleren Auto. “Wir hatten gehofft, Spa mit mehr als nur drei WM-Punkten zu verlassen”, gestand Whitmarsh. “Aber obwohl wir unser Auto zuletzt stark verbessert haben, ist es noch nicht so schnell wie die schnellsten Autos.”

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Alonso wollte aufs Podest

Doppelausfall für Renault

Für Renault war Spa-Francorchamps keine Reise wert. Am Samstag klagte Fernando Alonso noch, dass sein Auto nicht konkurrenzfähig genug gewesen sei, am Sonntag schieden beide Renault vorzeitig aus – obwohl Alonso diesmal sehr schnell unterwegs war.

“Ich habe heute die Chance auf einen Podestplatz verpasst”, sagte der Spanier nach dem Rennen. “Ich hatte einen guten Start, habe einige Plätze gutgemacht und meine Strategie sah gut aus.” Vor seinem Boxenstopp lag Alonso auf einem Podestplatz und scheinbar sicher in den Punkten. “Das Auto war besser als wir erwartet hatten und ich war Dritter, als ich zu meinem ersten Stopp hereinkam.” Ein Problem am linken Vorderrad sorgte jedoch für einen langen Boxenstopp. “Danach sagte mir das Team, dass ich aufgeben sollte.”

Der Schaden am linken Vorderrad stammte von einer Startkollision in der ersten Kurve, in der Adrian Sutils Frontflügel Alonsos Rad traf. “Aus Sicherheitsgründen haben wir entschieden, das Auto abzustellen”, erklärte Pat Symonds. Das Team scheint also aus der Strafe von Ungarn gelernt zu haben. Auch dort gab es Probleme mit einem Vorderrad, damals löste es sich aber während der Fahrt und flog unkontrolliert davon.

Der zweite Renault-Fahrer Romain Grosjean kam nur einige Kurven weit. “Ich hatte einen sehr guten Start, kam bis auf Platz 13 nach vorne und hatte eine gute Pace, aber dann schoss mich Button in Kurve 5 ab und das war es für mich.” Der Brite hatte erwartungsgemäß eine andere Sichtweise des Unfalls. Beide Fahrer wurden nach dem Rennen zu den Rennkommissaren bestellt.

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Belgien GP

Räikkönen gewinnt in Spa

 

Am Samstagabend wagte sich Giancarlo Fisichella noch nicht offen davon zu sprechen. Der Überraschungs-Pole-Mann des Belgien GP sprach von den ersten Punkten seines Force India Teams, möglicherweise einem Podestplatz, aber keinesfalls einem Sieg, der sei noch etwas zu hoch angesiedelt. Kimi Räikkönen sprach hingegen offen vom ersten Ferrari-Triumph der Saison 2009 – ausgerechnet in Spa-Francorchamps, wo Räikkönen vor dem Rennen bereits drei Siege in seiner Karriere gefeiert hatte und der einzige Spa-Sieger im Starterfeld war.

Gleich am Start nutzte der Finne seinen KERS-Vorteil – und die asphaltierte Auslaufzone in La Source) und katapultierte sich bis auf Platz 3 nach vorne. Nur wenig später fand er sich zu Beginn der Safety Car Phase auf Platz 2 hinter Fisichella wieder. Diesen schnappte er sich nach dem Re-Start und gab die Führung danach nur noch bei seinen beiden Boxenstopps ab.

Beide Stopps absolvierte er in der gleichen Runde wie Fisichella wodurch der Italiener keine Chance hatte, durch schnelle Runden rund um die Stopps in Führung zu gehen. Auf den Runden dazwischen fuhr Fisichella mindestens genauso schnell wie der Ferrari vor ihm, kam an dem KERS bestückten F60 aber nicht vorbei.

Hinter Räikkönen und Fisichella schlich sich Sebastian Vettel in einem unauffälligen Rennen auf den dritten Podestplatz. Der Deutsche konnte den BMW Sauber von Robert Kubica beim letzten Stopp überholen und so sechs wichtige Punkte im Titelkampf einfahren. Da seine Titelrivalen Jenson Button und Mark Webber leer ausgingen und Rubens Barrichello einen rauchenden Brawn als Siebter über die Ziellinie schleppte, hat Vettel als WM-Dritter nur noch 19 Punkte Rückstand auf Button und einen Punkt Rückstand auf Barrichello.

“Kimi hat heute einen super Job gemacht und Force India war unglaublich schnell”, lobte Red Bull Teamchef Christian Horner. “Platz 3 war das Maximum für uns. Sebastian ist ein fantastisches Rennen gefahren, hat keine Fehler begangen und wir waren im Mittelsektor sehr schnell, in den Sektoren 1 und 3 hatten wir jedoch große Probleme.”

Chaos rund um Eau Rouge

 

Bereits am Start ging es hoch her: Auf dem Weg in die erste Kurve La Source gab es einige Berührungen und Kontakte, unter anderem zwischen Adrian Sutils Frontflügel und Fernando Alonsos linkem Vorderrad, was später zum Ausfall des Spaniers führen sollte. Auch Lewis Hamilton bekam auf dem Weg in die erste Haarnadel einen Schlag ab. Ein Auslöser für das Chaos war Rubens Barrichello, der zunächst stehen blieb, dann nur schleppend wegkam und so weit zurückfiel.

Vorne setzte sich Nick Heidfeld gegen Jarno Trulli durch, wurde bei dieser Gelegenheit aber von seinem Teamkollegen Robert Kubica überholt. Kimi Räikkönen wich dem Durcheinander links neben der Strecke aus und beschleunigte dort bis auf Platz 3 nach vorne in Richtung Eau Rouge. Nach dieser High-Speed-Kurve schnappte sich Räikkönen den BMW Sauber von Kubica, kam jedoch auf den Randstand und fuhr über die Wiese. Danach rutschte ihm Nick Heidfeld im zweiten BMW Sauber leicht ins Heck. Der Ferrari blieb jedoch unbeschädigt.

Das galt nicht für die Autos von Jenson Button, Romain Grosjean, Lewis Hamilton und Jaime Alguersuari, die alle in der gleichen Kurve ausschieden und noch einige andere Fahrzeuge ins zweite Chaos des Rennens miteinbezogen, die danach zu Notstopps an die Box kommen mussten, darunter Jarno Trulli und Adrian Sutil.

“Das war Pech”, sagte WM-Leader Button, der schon in der ersten Runde draußen war. “Ich hatte einen guten Start, war nach Eau Rouge außen neben Heikki Kovalainen, habe eingelenkt und dann hat Grosjean wohl den Bremspunkt nicht richtig erwischt und mich umgedreht. Ich denke, es war genug Platz für zwei Autos. Es ist frustrierend, weil ich viele Plätze gutgemacht hatte, aber ich falle lieber in so einem Renne aus, in dem ich eh nicht gut dabei war.” Die Zwischenfälle zwischen Button und Grosjean sowie Hamilton und Alguersuari, die eine Kettenreaktion verwickelt waren, werden nach Rennende von der Rennleitung untersucht.

Spannung bis zuletzt

 

In einem von spannenden Überholmanövern geprägten Rennen hielt die Spannung bis zur Zieldurchfahrt an. Drei Runden vor Rennende begann der Brawn-Bolide von Rubens Barrichello zu rauchen, das Team vermutete zunächst ein Motorenproblem, dann ein Ölleck. Barrichello rettete sich jedoch als Siebter vor Nico Rosberg und Mark Webber ins Ziel. Seinen Angriff auf den Sechsten Heikki Kovalainen musste er aber abbrechen, so dass der McLaren-Pilot hinter den BMW Sauber von Robert Kubica auf Platz 4 und Nick Heidfeld auf Platz 5 ins Ziel einlief.

“Lewis wurde durch einen unverschuldeten Crash gleich in Runde eins eleminiert, Heikki – als 15. gestartet – wurde Sechster, mehr ging nicht”, gestand Norbert Haug. Mark Webber blieb als Neunter ohne WM-Zähler. Der Australier war bei seinem Boxenstopp zu früh vom Team losgelassen worden, so dass er beinahe mit Nick Heidfeld kollidierte. Dafür bekam er eine Drive-Through-Strafe, die ihm die Chance auf ein besseres Ergebnis verhagelte.

Neben den vier Erstrundenunfallopfern sahen auch Jarno Trulli und Fernando Alonso die Zielflagge nicht. Der Italiener stellte seinen Toyota nach einem missglückten Boxenstopp in selbiger ab, der Spanier hatte bei seinem ersten Stopp Probleme mit der linken Radkappe, die am Start von Sutils Frontflügel getroffen worden war. Um keinen Verlust der Radkappe und des Rades zu riskieren, zog das Team Alonsos Auto nach einer weiteren Runde zurück.

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Foto: Sutton

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