Archiv für Februar, 2010

USF1 hatte keinen Plan

Ein Insider spricht

 

Anfang Februar war die Stunde der Wahrheit für Peter Windsor gekommen. In einem Meeting mit den Angestellten von USF1, Ken Anderson und Windsor selbst stellte der Sportdirektor die wohl eher rhetorische Frage: “Wer glaubt, dass wir nicht in Bahrain dabei sein werden?” Die Antwort schockierte ihn. “100 Prozent der Mitarbeiter hoben ihre Hand. Er war sichtbar schockiert”, berichtet ein anonymer USF1-Mitarbeiter bei Autosport.

Noch arbeiten 60 Personen in der Fabrik in Charlotte, 10 haben das Team jedoch schon verlassen. Die anderen erwarten ungeduldig den kommenden Freitag, wenn klar wird, ob sie ihre Gehälter und Löhne ausbezahlt bekommen. “Die Leute leiden darunter seit zwei Monaten”, betont die Teamquelle. “Alle von uns haben ihre Jobs aufgegeben und sind durchs halbe Land gereist, um diese Chance wahrzunehmen.”

Budget nicht gesichert

 

Dabei sei man von Teamchef Ken Anderson durchaus unter Angabe falscher Tatsachen angelockt worden. Als die Gehaltszahlungen Mitte Januar verspätet eintrafen, kamen die Mitarbeiter ins Grübeln und schlussfolgerten: “Wir wurden über das langfristige Budget belogen – das Unternehmen hat Liquiditätsprobleme.” Angeblich sollte das Projekt für drei Jahre ausfinanziert sein. “Wenn man davon absieht, dass wir über das Budget belogen wurden, kann man es so sehen: Wenn man kein Auto oder keine ernsthaften Fortschritte vorzeigen kann, tendieren potenzielle Sponsoren nicht dazu, dir Geld zu geben.”

Die ersten Zweifel kamen den Mitarbeitern Anfang Dezember. Als erfahrenes Rennsportpersonal wussten sie ungefähr, wann bestimmte Abläufe, Prozesse und Teile angesetzt sein mussten, um bis zum ersten Rennen fertig zu sein. “Wir erwarteten einen großen Produktionsaufschwung Mitte Dezember, aber der kam nie”, erklärt der unbekannte Mann. “Als die Zeichnungen nicht freigegeben wurden, war klar, dass wir in Problemen sein könnten.”

Planlos in Charlotte

 

Die Ingenieursentscheidungen mussten alle von Ken Anderson abgesegnet werden, bevor sie weiterverarbeitet werden konnten. “Das hat alles aufgehalten”, betont der Insider. Die Arbeit an der Überlebenszelle habe für einen Monat still gestanden. Schon im Oktober soll der Produktionsmanager Bedenken über fehlende Ressourcen geäußert haben. “Aber er wurde beschwichtigt: Bleib ruhig, Ken hat einen Plan. Die Ironie dabei ist, dass es verdammt wenig Pläne und Dokumentationen gab. Es gab keine Produktionspläne, es wurde sehr wenig geplant.”

Ken Anderson sieht die Geschichte seines Mitarbeiters als einseitig an. “Es gibt auch einige Widersprüche.” Andersons Verteidigung: “Jeder wusste genau, was ihn erwarten würde, als er hier unterschrieben hat, nämlich zwei Autos nach Bahrain zu bringen.”

Aufgrund der Verzögerungen durch den FIA/FOTA-Streit habe er seine Mitarbeiter angewiesen, das Auto einfach, stark und zuverlässig zu halten. Einige Dinge seien jedoch zu komplex und zeitaufwendig gestaltet worden. “Ich habe in Frage gestellt, warum es so komplex war, obwohl es nicht notwendig war.” Windsor rettet sich in Durchhalteparolen: “Ich werde weiter meine gesamte Liebe und Leidenschaft für den Sport in dieses Projekt stecken. Manche Hindernisse kann ich nicht bewältigen, aber ich werde nicht aufgeben.”

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Alonso sieht Schumacher als gutes Omen

Viel bei McLaren gelernt

 

Der Ferrari F10 ist das beste Auto, das Fernando Alonso jemals gefahren ist – davon ist der Spanier überzeugt. Mit dem möglicherweise besten Auto und dem Wechsel zu Ferrari steigt aber auch der Druck. “Mein Vater hat mir immer gesagt: Wenn du für Ferrari fährst, kannst du zurücktreten. Dann ist dein Leben komplett.” Selbst die zwei WM-Titel würden dann vergessen, die Fans würden ihn als Ferrari-Fahrer in Erinnerung behalten. “Jetzt glaube ich, dass er recht hatte. Ferrari gibt dir ein besonderes Gefühl.”

McLaren als Lehrjahr

 

So seltsam es klingt, aber Alonso glaubt auch, dass ihm das schwierige McLaren-Jahr 2007 für seine Zeit bei der Scuderia geholfen hat. “Es war sehr schwierig, aber ich habe persönlich sehr viel gelernt”, betont Alonso im Guardian. “Es war gut für meine Karriere, diesen Schritt zu machen und zu ihnen zu gehen und zu wachsen. Ich lernte, wie man mit einem Team arbeitet und dem Druck der Medien standhält.” Seine Schwierigkeiten seien vom Team und den Medien verursacht worden. “Jetzt bin ich für alles in der Formel 1 viel besser vorbereitet – und auch im Leben.”

Ähnlich wie zwischen Alonso und Lewis Hamilton damals könnte es in diesem Jahr zwischen den beiden neuen McLaren-Teamkollegen Hamilton und Jenson Button heiß hergehen. “Ich weiß nicht, wie McLaren heute ist, aber wenn er zu meiner Zeit dorthin gewechselt wäre, wäre es für ihn sicher sehr hart gewesen. Hoffentlich ist es für Jenson jetzt besser, denn ich habe viel aus dieser Saison gelernt und McLaren genauso.”

Keine Probleme mit Massa

 

Bei Ferrari erwartet er keine Probleme mit seinem Teamkollegen Felipe Massa, obwohl diese immer wieder in den Medien herbeigeschrieben werden. “Die Leute schreiben das, weil sie wissen, dass wir sehr stark sind”, glaubt Alonso. Der Doppelweltmeister bleibt ganz der roten Linie treu: “Felipe und ich arbeiten für das Team.”

Die harten Zweikämpfe der Vergangenheit zwischen den heutigen Teamkollegen zählen nicht. “Ich hatte die gleichen Kämpfe mit allen anderen”, erinnert Alonso. “Nach so vielen Jahren habe ich natürlich mit Felipe gekämpft. So ist das nun mal und wir werden weiter kämpfen. Aber Michael Schumacher und Nico Rosberg werden diese Kämpfe bei Mercedes haben. Ich bin sicher, Lewis und Jenson ebenfalls. Mark Webber und Sebastian Vettel werden sich bei Red Bull duellieren – das haben sie schon letztes Jahr. Aber niemand spricht darüber. Alle reden über Ferrari, weil wir in einer guten Position sind.”

Die Rückkehr von Michael Schumacher könnte Alonsos Position sogar noch verstärkt haben. Der Spanier sagt mit einem Lächeln: “Seit Michael gegangen ist, habe ich keinen Titel mehr gewonnen. Hoffentlich ist das ein gutes Omen für mich. Vielleicht gibt es eine Verbindung zwischen Michael und meinem Erfolg.”

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Timo Scheider findet genug Zeit für die Familie

Ein stolzer Vater

 

Als zweifacher DTM-Champion ist Timo Scheider ein viel beschäftigter Mann. Von einem Termin geht es zum anderen, zum Verschnaufen bleibt oft nur wenig Zeit. So hetzte der Audi-Pilot nach seinem kleinen Urlaub in Ägypten bereits zum Tegernsee, um einen Werbespot für den Audi Top Service zu drehen, und in dieser Woche steht die Audi-Fitnesswoche im Allgäu auf dem Programm.

Und trotz eines eigenen Sportprogramms, welches ihn für den Saisonstart fit machen soll, hat Scheider noch genug Zeit, sich um seine Familie zu kümmern. “Am Samstag bin ich mit einem Kumpel bei einem Fussballturnier von meine Junior Loris gewesen”, berichtet Scheider stolz auf seiner Webseite.

So etwas müsse man sich mit sechs- oder siebenjährigen Kindern mal angesehen haben, ist sich der DTM-Titelverteidiger sicher. “Da ist Mario Barth vom Spaßfaktor echt Kindergarten”, meint er.

Besonders löblich ist dagegen, dass bei Sohn Loris trotz der vielen Ausflüge zu den Rennstrecken und Veranstaltungen die Schule nicht zu kurz zu kommen scheint. “Loris hat auf seinem ersten Halbjahreszeugniss von acht Fächern acht Mal eine Eins stehen”, freut sich Scheider. “Wenn ich mal eine Eins hatte, dann war das maximal im Sport.”

Nun fragt sich nur, wann der stolze Vater endlich seine Langzeit-Verlobte Jasmin Rubatto zum Traualtar führen wird. An das Versprechen vom Finale auf dem Hockenheimring können wir uns schließlich noch gut erinnern…

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Christian Klien

Nicht in der Formel 1

Was bedeutet der Peugeot-Vertrag für die Formel 1-Verhandlungen?

Christian Klien: Vor ein paar Tagen hat sich verdichtet, dass ich beim ersten Rennen in Bahrain leider nicht am Start sein werde. So eine Situation wünscht man sich nicht. Ich bin natürlich sehr enttäuscht, weil ich seit Monaten auf den 14.März 2010 hingearbeitet habe.

Auch nicht als Testpilot in einem Formel-1-Team, wie kolportiert wurde?

Christian Klien: Im Moment bietet sich mir keine ansprechende Aufgabe an. Die Testfahrer-Option hätte ich durchaus ziehen können. Ich habe mich aber entschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Wir waren in den Verhandlungen mit mehreren Teams schon sehr weit. Das zeigte mir, dass ich mit meiner Erfahrung und meinem Alter gute Karten auf ein Stammcockpit habe. In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation hat aber leider von meiner Seite ein wichtiger Baustein gefehlt, den andere Fahrer mitbringen konnten, nämlich Sponsorgelder.

Ist die Formel 1 damit abgehakt?

Christian Klien: Hinter den Kulissen der Formel 1 war und ist alles in Bewegung. Man muss derzeit auf alles vorbereitet und daher flexibel sein. Man muss sich nur ansehen: Von 26 Fahrern, die heuer antreten haben nur sechs das gleiche Cockpit wie zum Saisonstart vor einem Jahr. Der Fahrermarkt ist so unglaublich in Bewegung. Und er wird es auch bleiben. Daher mischt sich meine Enttäuschung mit Optimismus. Auch, weil ich weiß, warum es derzeit nicht geklappt hat und wie sehr sich manche Teams um mich bemüht haben. Die Formel 1 war und ist nach wie vor mein erklärtes Ziel. Bei aller Enttäuschung habe ich genug Gründe, an ein Renncockpit zu glauben. Daher spule ich auch mein Trainingspensum unverändert ab. Wie gesagt ist viel in Bewegung und wenn ich meine Chance bekomme – wann immer das auch sein wird – darf ich als Profi keine Zehntelsekunde verlieren, weil ich nicht fit bin. Und das Entwicklungsprogramm bei Peugeot ist ohnehin dicht genug, damit keinem der zehn Piloten langweilig wird.

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Jarvis freut sich auf den Saisonstart

Training an der frischen Luft

 

In den letzten beiden Jahren hat Oliver Jarvis mit seinem Leistungen im Jahreswagen bekanntlich so sehr überzeugt, dass er für die Saison 2010 ein aktuelles Modell zur Verfügung gestellt bekommt. “Natürlich bin ich Dr. Wolfgang Ullrich sehr dankbar für diese Chance”, berichtet der Brite auf seiner Webseite. “Ich werde alles geben, um einen guten Job zu machen und will meinen Part dazu beitragen, dass Audi am Ende der Saison wieder um den Titel kämpfen kann.”

Sein bisher bestes DTM-Wochenende absolvierte Jarvis letztes Jahr in Zandvoort. Nachdem er im Qualifying überraschte und auf die Pole-Position gefahren war, hielt er im Rennen lange den schnellen Gary Paffett in Schach und Stand am Ende auf dem Podium. An diese Ergebnisse will Jarvis in dieser Saison anknüpfen.

“Ich kann den Start der Saison kaum erwarten. Ich weiß, dass es eine große Herausforderung wird, gegen meine Teamkollegen und die Jungs von Mercedes anzutreten, aber ich freue mich darauf”, so der Audi-Pilot. Wie jeder andere Rennfahrer würde er unter großem Druck stehen – den er sich allerdings selbst macht. “Denn ich will erfolgreich sein.”

Einen ersten Test mit dem neuen Audi A4 absolvierte Jarvis bereits vor einigen Wochen und zeigte sich danach beeindruckt. “Man spürt sofort, dass das Auto mehr Anpressdruck generiert als die älteren Autos. Es wurde eine Menge kleiner Details verbessert und das zahlt sich in der Rundenzeit aus”, lautet sein Urteil.

Bevor es im April auf dem Hockenheimring in die Saison geht, stehen weitere Testfahrten an, unter anderem in Valencia. Zur Zeit konzentriert sich Jarvis allerdings auf seine Fitness: “Eigentlich mache ich nichts anderes als in den vergangenen Jahren. Ich profitiere nun aber davon, dass ich in der Schweiz lebe und öfters Skifahren und Snowboarden gehen kann – das ist ein gutes Training, macht Spaß und die frische Luft tut gut.”

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