Teams vermuten flexible Flügel bei RB6 und F10

Verdacht gegen Ferrari und Red Bull

 

Der Formel 1 könnte in der zweiten Saisonhälfte 2010 noch eine ausgiebige Diskussion wegen angeblicher flexibler Flügel bei Red Bull Racing und Ferrari bevorstehen. Die französische Zeitung Le Parisien zeigte am Sonntag Bilder, die darauf hindeuten, dass sich die Vorderflügel der beiden Teams in der Mitte nach vorne neigen, damit dann der ganze Flügel und vor allem die Endplatten näher am Boden sind. Laut Autosport haben sich bereits einige Teams darüber echauffiert, dass der RB6 und der F10 dadurch mit viel niedrigeren Vorderflügeln fahren können als die Konkurrenz.

Bis zu drei Zehntel

 

Laut Reglement muss die Mitte der Flügel 75 Millimeter über der Referenzebene liegen, was im Endeffekt bedeutet, 85 Millimeter über dem Boden. Nach Analyse der Fotografien sind die anderen Teams der Meinung, dass die Flügel von Red Bull und Ferrari auf der Strecke viel niedriger liegen als diese Werte. Sollte der Flügel sich wirklich so verformen, würde er eine bessere Anströmung des Unterbodens ermöglichen, womit mehr Abtrieb entsteht. Laut einem Ingenieur könnte das bis zu drei Zehntelsekunden pro Runde bringen.

Zu diesem Thema soll es am Wochenende in Hockenheim ein paar Gespräche zwischen FIA und einigen Teams gegeben haben. Dabei soll der Weltverband auch die fotografischen Beweise überreicht bekommen haben, die zeigen, welche Unterschiede bei der Höhe der Red-Bull- und Ferrari-Flügel zur Konkurrenz bestehen. Red Bull Racing und Ferrari betonen klarerweise, dass sie nichts falsch gemacht haben, die FIA könnte sich die Autos bei der technischen Abnahme nach dem Deutschland Grand Prix aber genau ansehen.

Horner bleibt ruhig

 

Vor dem Rennen in Deutschland zeigte sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner überzeugt davon, dass der RB6 dem Reglement entspricht. Er meinte, sollten Teams Probleme mit seinem Auto haben, könnten sie mit ihm sprechen oder auch ruhig Protest einlegen. “Das Auto muss alle Tests bestehen, die von der FIA vorgeschrieben werden und die sind recht umfangreich. Wir freuen uns darüber, dass unser Auto in jedem Bereich die Auflagen erfüllt”, sagte Horner laut Autosport. Dass Fotos zur Beweisführung eingesetzt werden, fand er ein wenig bedenklich und hätte es lieber gesehen, wenn Red Bull darauf angesprochen oder ein normaler Protest eingelegt worden wäre.

“Wir sind aber zufrieden, weil unser Auto den Regeln entspricht. Fotografische Beweise sind immer subjektiv, denn es bleiben immer Fragen. Hat sich die Kamera bewegt? Was ist das Benzingewicht des Autos? Hat der Fahrer stärker gebremst? Sind die Reifendrücke niedriger? Es gibt so viele Variablen, die beeinflussen, wie ein Bild aussieht”, erklärte Horner. Laut Artikel 3.15 des technischen Reglements müssen Verkleidungs-Teile, die die aerodynamische Leistung des Autos beeinflussen, fest am Auto angebracht sein und dürfen sich in Relation zum Auto nicht bewegen – sich also auch nicht verformen. Ob die Flügel flexibel sind, wird an den Endplatten getestet, für den Mittelteil des Vorderflügels gibt es aber noch keinen Test.

Was kann passieren?

 

Sollte die FIA nun herausfinden, dass Red Bull und/oder Ferrari die Regeln nicht korrekt befolgen, könnte sie die Autos der Teams aus dem betroffenen Rennen, in dem die Flügel eingesetzt wurden, disqualifizieren, sie könnte aber auch beim nächsten Rennen einen neuen Flügeltest bringen, durch den die Teams gezwungen sind, eventuell genutzte Schlupflöcher wieder aufzugeben. Sollte ein Team überzeugt sein, dass gegen die Regeln verstoßen wird, könnte es auch einen Protest einlegen. Wenn die FIA den Red Bull und den Ferrari für legal erklärt, dürfte wieder die Kopierarbeit losgehen.

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 26072010

Horner

Flügel-Tausch war fair und logisch

 

Die F1-Welt wäre ohne Kontroversen wohl ein zu langweiliger Ort, deswegen versammelte sich am Samstagnachmittag in Silverstone eine große Schar Wissbegieriger um Red-Bull-Teamchef Christian Horner, nachdem bekannt geworden war, dass Sebastian Vettel im Qualifying den letzten neuen Frontflügel fahren durfte. Am Morgen war dem Deutschen im Training der zweite Flügel der neuen Spezifikation kaputtgegangen. Er hatte erhielt dann den, den Mark Webber im dritten Training eingesetzt hatte, der Australier durfte im Qualifying mit der alten Spezifikation ausrücken. Am Ende hatte Vettel Pole, Webber Startplatz zwei und einen ordentlichen Grant.

Doch Horner verteidigte seine Entscheidung und wollte den Flügel-Tausch auch nicht als Hinweis sehen, dass Vettel im Team den Vorzug erhält. “Das denke ich nicht. Ich denke, man konnte heute sehen, dass die Leistung zwischen den zwei Jungs sehr, sehr eng beisammen lag. Leider waren wir in einer Situation, in der wir nur einen Vorderflügel einer bestimmten Spezifikation hatten, der ein wenig andere Charakteristika aufwies. Beide Fahrer probierten ihn gestern und einer hatte damit mehr Leistung als der andere. Heute Morgen probierten ihn wieder beide.”, sagte er.

Schwierige Entscheidungen

 

Horner meinte weiter, dass er manchmal eben leider schwierige Entscheidungen treffen müsse und mit nur einem Flügel sowie den vorhandenen Fakten und den WM-Ständen als Grundlage, bekam eben Vettel das Teil zugesprochen. Als Gegenbeweis meinte er, wäre Webber bereits die Nummer zwei, hätte er den Flügel von Anfang an nicht gehabt. “Wir planen so ein Szenario nicht. Wenn wir einen Fahrer bevorzugten, dann hätte er auch einen Ersatzflügel. Wir würden aber nicht fahren, wenn ein Fahrer zwei hätte. Wir werden weiter beide Fahrer auf die beste und fairste uns mögliche Art unterstützen. Manchmal muss man schwere Entscheidungen treffen und heute war das der Fall”, erklärte Horner.

So kurz nach dem Rennen in der Türkei, in dem Webber direkt nach der Kollision mit Vettel vom Team die Schuld zugesprochen wurde, obwohl er nicht wirklich schuld war, entstand durch den Flügel-Tausch dennoch wieder eine heikle Situation, wie auch an Webbers Gesicht in der Pressekonferenz zu sehen war. Horner betonte dennoch, dass es darum gehe, als Team den besten Job zu machen und da müssten eben auch schwere Entscheidungen getroffen werden. “Es ist das erste Mal, dass wir in einer Situation sind, in der wir nur einen Teil hatten und ich bin mir sicher, das passiert in der ganzen Boxengasse. Natürlich ist es etwas emotionaler, wenn man zwei Fahrer hat, die an der Spitze sind. Aber wenn man die Emotion wegnimmt und sich die Fakten ansieht, dann war es eine logische Entscheidung.”

Webber hatte leichtere Teile

 

Horner versicherte, wäre die Situation andersherum gewesen, hätte Webber den Flügel bekommen. Zudem war der Teamchef überzeugt, dass der Australier wisse, es habe keine böse Absicht dahintergesteckt. “Heute haben wir nach WM-Position und nach Leistung im dritten Training entschieden. Das waren die zwei fairsten Kriterien, die wir nutzen konnten. Mark hat einige Teile an seinem Auto, die hergestellt wurden und etwas leichter ausgefallen sind. Die sind alle auf sein Auto gewandert. Wenn wir unfair sein sollten, würde Sebastian alles bekommen – und Sebastian hätte den Ersatz-Vorderflügel. Aber das war nicht der Fall. Es gab nur einen und eine Entscheidung musste getroffen werden.”

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 12072010

Red Bull von McLaren-Pace nicht überrascht

Besser ausgesehen als selbst gedacht

 

Schon vor dem Wochenende in Kanada hatte Red Bull angekündigt, der Circuit Gilles Villeneuve werde dem RB6 nicht unbedingt liegen. Dementsprechend zeigte sich das Team nach dem Rennen nicht davon überrascht, dass sich McLaren in Montreal stärker präsentierte als man selbst. Teamchef Christian Horner ist überzeugt, dass die WM noch weit offen ist und will nur das Positive vom Ausflug nach Nordamerika mitnehmen.

“Wir haben hier besser ausgesehen und waren stärker gegen die McLaren als ich das erwartet habe. Der Vorteil, den McLaren an dieser Strecke hat, war für uns immer nur schwer zu überwinden. Aber die Pace unseres Autos war besser, als wir das vor dem Event erwartet hatten, also holten wir immer noch wertvolle Punkte und es ist noch ein weiter Weg”, sagte Horner. Er sah einige Strecken kommen, die Red Bull liegen sollten, deswegen war für ihn die Leistung von Kanada auch eher ermutigend.

Valencia die nächste Herausforderung

 

Die zu McLaren konträre Reifenstrategie erachtete Horner als Versuch, um noch mehr auszurichten, doch sie genügte eben nicht, um sich das ganze Rennen vor der Konkurrenz zu halten. Das lag vor allem daran, weil die härteren Reifen zu Rennbeginn nicht so lange hielten wie gedacht. “Dadurch gab es aber ein interessantes Rennen. Hoffentlich können wir in Valencia stark auftreten, das wird eine weitere Herausforderung für uns. Dann geht es aber wieder an Strecken, die unseren Stärken mehr entgegenkommen sollten. Es ist also noch alles offen”, merkte der Teamchef an.

Neben den nicht gerade vorteilhaften Strecken-Charakteristika des Circuit Gilles Villeneuve bremsten Red Bull in Kanada auch Getriebe-Probleme bei Sebastian Vettel und Mark Webber. Das waren nicht die ersten Zuverlässigkeits-Probleme in diesem Jahr, doch Horner wollte verschenkten Punkten nicht nachtrauern – auch wenn sein Team lange das bei weitem stärkste Auto im Feld hatte. “Andere haben ihre Möglichkeiten auch nicht voll genutzt, seien es Radmuttern oder Schäden am Auto gewesen. Diese Dinge gleichen sich normalerweise aus”, sagte er.

Auf der Leistung aufbauen

 

Im Moment liege alles noch eng beisammen, die Saison sei noch nicht einmal halb vorbei und daher noch alles offen, betonte er noch einmal. “Valencia wird den Stärken von McLaren und Mercedes entgegenkommen. Wir dachten, es wären hier mehr Mercedes getriebene Autos vor uns, also konnten wir den Schaden eigentlich begrenzen. Es kommen einige Entwicklungen bei uns. Ich bin mir sicher, wir können dorthin fahren [nach Valencia] und auf der Leistung von hier aufbauen”, meinte Horner.

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 21062010

Webber bleibt bei Red Bull

Vertrag verlängert

 

Die Luft ist bereinigt, Mark Webber und Sebastian Vettel haben sich letzte Woche die Hand gegeben und die Kollision von Istanbul vergessen. Damit war der Weg frei, für die ohnehin überfällige Vertragsunterschrift des Australiers bei Red Bull Racing. Webber erhält einen Einjahresvertrag und fährt auch 2011 an der Seite von Vettel für das Team.

“Es war eine einfache Entscheidung, bei Red Bull zu bleiben”, sagte Webber. Die Gespräche begannen bereits zu Jahresbeginn und schon in Barcelona waren beide Seiten schon bereit, den Vertrag zu unterzeichnen. Die Verlängerung um ein Jahr sei ein beiderseitiger Wunsch gewesen. “Es ist bekannt, dass ich nicht nur der Formel 1 wegen im Paddock herumhängen möchte. Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere bin ich mit einem Einjahresvertrag zufrieden.”

Webber fühlt sich im Team wohl und möchte seine Aufbauarbeit vom Mittelfeldteam zum Titelanwärter fortsetzen. “Hoffentlich können wir gemeinsam unser Ziel erreichen und den WM-Titel gewinnen.” Teamchef Christian Horner lobt Webber in höchsten Tönen: “Er ist in der form seines Lebens und das Team ist glücklich, die Fahrerpaarung für 2011 unverändert zu lassen.”

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 14062010

Webber hatte in Sparmodus geschaltet

Vettel machte gespartes Benzin schnell

 

Team-Debriefs bringen meist Erkenntnisse, die allen Mannschaften die Augen ein wenig öffnen und die zukünftige Arbeit beeinflussen. So auch in Istanbul, als sich Red Bull zusammensetzte, um das Rennen und vor allem die Kollision zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber zu besprechen. Denn hatte Teamchef Christian Horner nach dem Rennen noch gedacht, Vettel und Webber seien im gleichen Motor-Modus gewesen, als sich Vettel neben den Australier setzen konnte, war es anders. Im Debrief stellte sich heraus, dass Webber seinen Motor in den Benzin-Sparmodus hatte versetzen müssen und Vettel eine Runde mehr mit voller Leistung fahren konnte.

Dadurch entstand erst die Situation, die zu der Kollision führte, weil Vettel auf die Gegengerade hinaus mehr Kraft hatte. Da der Deutsche eine Runde später den Motor auch herunter drehen hätte müssen, war Runde 40 seine einzige Chance. “Wir haben nun alle Fakten. Mark hatte in den Benzinspar-Modus runter geschaltet, das kostete ihn auf der Geraden etwas Leistung, was auch erklärt, warum Sebastian sich so neben ihn setzen konnte”, sagte Horner. Der eigentliche Fehler in der Situation blieb für ihn aber der gleiche: seine Fahrer hätten sich mehr Platz geben müssen. “Aber wir wissen, wie Sebastian so gut in den Windschatten kam. Er hatte ein zusätzliches Kilo Benzin gespart – beide Autos fuhren mit gleich viel Benzin los.”

Eine Runde mehr Gas

 

Dadurch konnte er diese eine Runde mehr Gas geben, zurückstecken konnte er nicht, da Lewis Hamilton von hinten Druck machte. Der große Ärger Horners waren aber weiterhin die verschenkten Punkte. Statt eines Doppelsieges gab es einen dritten Platz, Red Bull hatte also 28 Zähler liegen gelassen. “Auch die Fahrer haben Punkte verloren. Aus Teamsicht ist es egal, wie herum sie ankommen, aber Priorität hat eine Zielankunft auf eins und zwei und das ist genau das, was wir heute hätten machen sollen”, betonte Horner.

Die Schuld wollte Horner nach wie vor keinem der beiden Fahrer alleine aufbürden. Webber habe Vettel ein wenig auf der schmutzigen Seite verhungern lassen und ihm gerade genug Platz gegeben, Vettel kam seinerseits ein wenig aggressiv nach rechts hinüber, war allerdings auch schon klar vorne, hielt er fest. Dass die McLaren gegeneinander kämpfen konnten, ohne sich rauszuschmeißen, sah Horner als Signal an seine Fahrer. Der Teamchef war aber guter Dinge, dass die Beziehung zwischen Vettel und Webber nicht leiden wird. Sie seien beide erwachsen und sie müssten daraus lernen. Vor Kanada werde die Sache endgültig ausgeräumt sein.

Respekt zeigen und zurückstecken

 

“Es ist richtig, die Fahrer fahren zu lassen. Wir haben heute bei McLaren gesehen, dass sie ihre Fahrer fahren ließen. Wenn die Piloten im gleichen Team sind, ist es aber wichtig, sich mehr Respekt zu zeigen und zurückzustecken, wenn einer gegenüber dem anderen im Vorteil ist”, meinte Horner. Die Annahme, dass der Türkei Grand Prix darauf hingedeutet habe, dass Vettel gegenüber Webber bevorzugt werde, konnte er nicht nachvollziehen.

“Beide Fahrer werden genau gleich behandelt. Sie haben das gleiche Material, sie haben die gleichen Möglichkeiten. Das ist unsere Philosophie und so funktioniert das Team – er [Vettel] konnte mehr Benzin sparen, weil er lange Zeit im Windschatten fuhr und das ausnutzte. Das ist sein gutes Recht. Vettel hatte viel Druck von Hamilton, weswegen er in die Position kam, um Mark zu überholen. Unsere Priorität liegt momentan auf dem Sieg. Auch wenn die Autos die Positionen gewechselt hätten, wären wir immer noch Erster und Zweiter gewesen. Das wären immer noch 43 Punkte für das Team und beide Fahrer wären in der Weltmeisterschaft von McLaren weggezogen.”

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 31052010