Webber vor Hülkenberg und Rosberg

Test in Barcelona

 

Der erste Testtag in Barcelona begann für die Teams mit in dieser Saisonvorbereitung ungewohnten Sonnenstrahlen – und einem Stau bei der Anfahrt zur Strecke wie bei einem Grand Prix. Nachdem in Jerez wegen des schlechten Wetters nur wenige Zuschauer den Weg an die Strecke suchten, fanden sich in Barcelona wieder mehr Anhänger von Fernando Alonso & Co auf den Tribünen ein.

Statt ihres spanischen Helden im Ferrari sahen sie jedoch einen anderen Fahrer an der Spitze der Zeitentabelle: Mark Webber fuhr in 1:21.487 Minuten die schnellste Zeit des Tages. Der Australier erzielte die Bestzeit bereits am Vormittag, an dem er eine Reihe von Qualifyingsimulationen absolvierte und nie mehr als drei fliegende Runden am Stück fuhr. Bis zur Mittagspause fuhr er die acht schnellsten Runden des Vormittags und war über eine Sekunde schneller als der Vormittagszweite Nico Rosberg, der sich hauptsächlich auf Long Runs konzentrierte.

In der Endabrechnung fiel Rosberg noch hinter seinen ehemaligen Teamkollegen Nico Hülkenberg auf den dritten Rang zurück. Der Williams-Pilot arbeitete am Setup, der Aerodynamik und Systemchecks. Außerdem bewirtete Williams im Fahrerlager 150 Gäste und Sponsoren. Rosbergs neue Mercedes-Crew trainierte unterdessen Boxenstopps mit neuen Wagenhebern, die mit mechanischen, federgesteuerten Mechanismen funktionierten – elektronische Geräte sind ab dieser Saison verboten.

Die weiteren Plätze belegten Pedro de la Rosa, Jenson Button, Tonio Liuzzi, Fernando Alonso, Vitaly Petroiv, Jaime Alguersuari, Lucas di Grassi und Fairuz Fauzy. Toro Rosso Mann Alguersuari fuhr mit 111 Runden die meisten Umläufe des Tages – dahinter folgten Webber (109), Rosberg (107) und Button (101). Die drei letztgenannten lösten allesamt je eine rote Flagge aus. Bei Force India trainierte Liuzzi fleißig Boxenstopps samt Safety Car Simulation.

Crash von di Grassi

 

Drei Mal musste der Test allein am Vormittag mit einer roten Flagge unterbrochen werden. Die erste Unterbrechung gab es nach nur 23 Minuten. Fairuz Fauzy blieb in seinem Lotus T127 zwischen Kurve 9 und 10 mit einem Hydraulikproblem stehen. Eine Stunde später war es Fernando Alonso, der die zweite rote Flagge auslöste. Der F10 des Spaniers rollte mit einem Elektronikproblem aus. Alonso kehrte erst kurz vor der einstündigen Mittagspause auf die Strecke zurück.

Nicht so viel Glück hatte Virgin Racing Pilot Lucas di Grassi. Der Brasilianer flog in Kurve 9 von der Strecke ab und schlug relativ hart, frontal in den Reifenstapel ein. Sein VR-01 nahm an der Fahrzeugfront beträchtlichen Schaden. Als Ursache für den Unfall gab das Team einen Aufhängungsbruch hinten rechts an. “Ich bin okay”, teilte di Grassi mit. “Nächste Mal werde ich noch schneller fahren, ich pushe mehr und mehr.”

Am Nachmittag löste Mark Webber im Red Bull die vierte Testunterbrechung des Tages aus. Der RB6 blieb im Mittelteil der Strecke stehen. Das gleiche Schicksal ereilte Nico Rosberg im Mercedes MGP W01, der kurz nach Kurve 10 ausrollte. Die letzte rote Flagge des Tages wurde fünf Minuten vor Testende geschwenkt: Jenson Buttons McLaren Mercedes MP4-25 streikte.

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Podestplatz für Webber

Die bessere Strategie gewinnt

Red Bull war schon immer anders als die anderen Formel-1-Teams. Sie hatten das Red Bulletin, sie hatten die Formula Unas und sie haben noch immer manchmal absurde Pressemitteilungen. Doch etwas hat sich verändert. “Es ist interessant, wie sich die Teammentalität verändert hat”, merkte Mark Webber nach seinem zweiten Podium des Jahres an. “Im letzten Jahr wären wir über Punkte zufrieden gewesen, jetzt möchten wir bei jedem Rennen auf dem Podium stehen!”

Der Australier kann sich darüber nicht beschweren. Der Schlüssel zum Podestplatz lag in seinem späten zweiten Boxenstopp. “Ich fuhr einen sehr langen zweiten Stint”, verriet er. “Wir hatten geplant, lange zu fahren, weil wir wussten, dass Felipe Massa normal eine Runde länger fahren würde als ich. Das war der Schlüssel für mein Rennen: Wir mussten mich von ihm frei machen.”

Für Webber hat das perfekt funktioniert. “Seine Strategie funktionierte perfekt und er konnte Rubens Barrichello gegen Rennende stark unter Druck setzen”, lobte Teamchef Christian Horner. Beim zweiten Fahrer ging die Strategie nicht so gut auf: “Massa stoppte in der gleichen Runde wie Sebastian und obwohl wir seinen Mittelstint verkürzten, kam Massa wieder in der gleichen Runde rein.” So fuhr Vettel 63 Runden im Windschatten des Ferrari. “Erst als er vorbei war, zeigte er seine Pace.”

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Auch im Trockenen ist Glock voraus

Massa und Alonso auf der Verfolgung

 

Nach dem verregneten Montag durften die Formel-1-Teams in Jerez am Dienstag aufatmen. Zwar war die Strecke am Morgen noch etwas feucht, doch sie wurde im Laufe eines weitgehend freundlichen Tages trocken, womit normale Testarbeit möglich war. Dementsprechend arbeitsfreudig waren die Teams dann auch unterwegs und legten Runde um Runde zurück. BMW Sauber, Ferrari und Force India gab es aber kleine Störungen. Robert Kubica blieb einmal unfreiwillig stehen und Felipe Massa hatte einen Dreher, was beides für eine rote Flagge sorgte. Force India hatte wieder viel Standzeit an der Box, obwohl man eigentlich um jeden Preis Kilometer sammeln will.
Ungeachtet der kleinen Widrigkeiten der Konkurrenz konnte Timo Glock seinen Toyota recht flott um den Kurs führen. In 1:19.814 setzte der Deutsche am späten Nachmittag die schnellste Zeit des Tages. Massa hatte nach dem Fahrverzicht vom Montag einiges zu tun und auch einen prominenten Beobachter. Michael Schumacher war zugegen und sah dem Brasilianer bei Boxenstopp-Übungen und längeren Runs zu. Letztendlich konnte er kurz vor Ende der Session noch eine schnelle Runde hinlegen, die ihn vier Zehntelsekunden hinter Glock auf Rang zwei nach vorne spülte.

Alonso glänzt wieder

 

Einen guten Auftritt zeigte auch Renault, wo Fernando Alonso wieder einmal das Glück auf seiner Seite hat. Kaum sitzt er im Auto, passt das Wetter und er kann viel Fahren. Auch bei der Platzierung innerhalb des Feldes sieht es für den Spanier besser aus als für Nelson Piquet Jr. Rund fünf Zehntel lag Alonso am Ende hinter Glock und war nur knapp hinter Massa gelandet. Zweieinhalb Test-Zehntel langsamer als der Renault war der McLaren mit Heikki Kovalainen an Bord. Dort wurde unter anderem auch wieder an den Reifen für 2010 gearbeitet, weswegen die Zeiten nur nebensächlich gewesen sein dürften.

Der fünfte Tagesrang ging an Adrian Sutil, der von der Rundenanzahl zwar absolutes Schlusslicht war, aber den Rückstand nach vorne mit einem schnellen Tagesabschluss immerhin unter einer Sekunde halten konnte. Als Erster über eine Sekunde verlor Mark Webber im Red Bull und ihm folgte dichtauf Kubica. Am Ende des Feldes fand sich Nico Rosberg im Williams. 1,8 Sekunden hatte der Deutsche Rückstand auf seinen Landsmann an der Spitze. Wie es aber so schön heißt: Testzeiten sind bis Melbourne immer mit Vorsicht zu genießen.

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Stewart kritisiert Rennkommissare

Samthandschuhe für Ferrari

Felipe Massa blieb ganz cool. Als er auf der Siegerpressekonferenz direkt nach seinem Triumph in Valencia gefragt wurde, ob ihm klar sei, dass er wegen des Boxenstoppzwischenfalls mit Adrian Sutil “under investigation” stehe, antwortete er nur: “Nein.” Er habe nichts falsch gemacht und in der Ausfahrt sogar zurückgesteckt. “Ich war der Führende und erwartete, dass er zurückstecken würde, als er es nicht machte, tat ich es. Wenn es eine Untersuchung gibt, dann nicht wegen mir.”
Die Rennkommissare sahen das nur teilweise so. Sie gaben Massa weder Schuld noch Strafe, rügten jedoch sein Team dafür, dass man Massa “unsicher” losgeschickt habe. Die Folge war eine 10.000 Euro Geldstrafe für Ferrari. Für einige Zeit schwebten sogar eine Drive-Throught-Strafe beziehungsweise Zeitstrafen von 10 oder 25 Sekunden durch den Paddock, dann hätte Lewis Hamilton das Rennen gewonnen. McLaren wies den Briten deshalb dazu an, maximal 10 Sekunden Rückstand auf Massa zu haben.
Jackie Stewart ist mit der Entscheidung der Rennleitung nicht einverstanden. “Zunächst verstehe ich nicht, warum die Entscheidung erst nach dem Rennen gefällt wurde”, sagte er der Motorsport Aktuell. Die Rennleitung habe alle nötigen Informationen besessen, um sofort ein Urteil während des Rennens zu fällen. Das wäre dann eine Drive-Through-Strafe gewesen, wie es sie auch im GP2-Rennen gegeben hat.

Für viele spiegele sich in dieser Entscheidung der Sonderstatus von Ferrari wieder. “Es unterstreicht, dass in solchen Fällen Ferrari mit Samthandschuhen angefasst wird”, meinte Stewart. Dabei vergaß er allerdings, dass in der Vergangenheit schon öfter Teams mit Geldstrafen versehen wurden, die ihre Fahrer zu früh losfahren ließen. So musste Toyota nach dem Qualifying in Hockenheim 2006 5.000 Euro berappen, weil man Ralf Schumacher zu früh los schickte und er so Jenson Button in den Weg kam. Wegen des gleichen Vergehens beklagte sich damals Renault über Ferrari – ohne Erfolg.

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Skepsis in Ferrari-Reihen

Hauptrivalen schneller als wir

Nur vorübergehend durfte man sich bei Ferrari in Hockenheim auf einen Erfolg gegen McLaren freuen. Lewis Hamiltons versäumter Boxenstopp in der Safety-Car-Phase war es, der Felipe Massa zeitweise zurückzubringen schien in die Position des Meisterschaftsführenden. Hamiltons für die Italiener erschreckend müheloses Überholmanöver gegen Massa versetzte Ferrari jedoch einen weiteren Rückschlag – und bereitete bis Ungarn arbeitsame Tage. “Es ist schwer zu sagen, wo wir verglichen mit der Konkurrenz stehen, aber auf alle Fälle sind wir sehr schnell”, resümierte heute ein erleichterter Felipe Massa, der sich noch am Vormittag als Schnellster präsentiert hatte.

Ähnlich wie seine Kollegen hatte auch der Brasilianer mit Blick auf die Reifen zu kämpfen. “Es war nicht wirklich angenehm mit den weichen Reifen – auf den harten hatte ich mich vorher viel wohler gefühlt”, berichtete Massa. “Wie immer auf dem Hungaroring ist es zunächst schwer, die Reifen einzuschätzen, denn zunächst hat man bedingt durch die schmutzige Strecke viel Graining. Wir wissen, welche Richtung wir für morgen zu wählen haben.”

Weniger zuversichtlich als sein Teamkollege gibt sich nach den Trainingsrängen zwei und fünf Kimi Räikkönen, der in Hockenheim ein wenig weltmeisterliches Wochenende absolviert hatte. “Wir haben an diversen Setup-Varianten gearbeitet”, verrät der Finne. “Auch ich habe die neue Motorabdeckung ausprobiert, aber es ist schwer zu sagen, inwieweit sie sich bewährt. Unser Auto fühlt sich ganz gut an, aber unsere Hauptrivalen scheinen nach wie vor ein wenig schneller zu sein als wir. Es gibt Raum für Verbesserungen.” Diesen sieht auch der Teamchef – verweist jedoch auf kryptische Freitagsergebnisse.

“Die Ergebnisse am Freitag sind immer schwierig zu bewerten, weil man die Benzinmenge der anderen Teams nicht kennt. In Ungarn ist die Analyse noch schwieriger, weil die Reifen schnell zu grainen anfangen”, sagte der Teamchef, der nach der Niederlage von Hockenheim auf die Ergebnisse der jüngsten Testfahrten setzt. “Wir sind unser Programm planmäßig durchgegangen; die neuen Teile, die wir mitgebracht haben, scheinen zu funktionieren.”

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