Lapthorne verlässt McLaren

Aufgabe erledigt

 

Nur ein Jahr, nachdem er die Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden bei McLaren übernommen hat, hat Richard Lapthorne das Unternehmen wieder verlassen. Er war voriges Jahr im April zu McLaren gestoßen, als Ron Dennis sich aus seinen Formel-1-Aufgaben zurückzog. Lapthorne war Aufsichtsratsvorsitzender bei der McLaren Group und gleichzeitig auch bei McLaren Automotive. Nach nur einem Jahr sieht er seinen Job als beendet an. “Im letzten Jahr hatten wir eine Liste mit Zielen”, äußerte er sich zur Times. “Ron und das Team waren bei der Zusammenarbeit toll und da die Firma für Straßenautos sich abspalten will, ist meine Aufgabe erledigt.”

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China GP

Button gewinnt vor Hamilton

 

Die Formel-1-Saison 2010 scheint zwei Regeln zu besitzen: Wenn es regnet, wird es spannend und es gewinnt am Ende Jenson Button nach einer richtigen Entscheidung im Reifenpoker. Der Brite schnappte sich im verregneten Shanghai seinen zweiten Saisonsieg – Rennen Nummer 1 gewann er beim zweiten Saisonlauf in Melbourne unter ähnlichen Bedingungen.

Die Schlüssel zum Erfolg waren der gute Speed des McLaren, ein Fahrfehler von Nico Rosberg, der Button in Führung brachte, und eine taktisch richtige Entscheidung, beim ersten Regen nicht auf Intermediates zu wechseln, sondern erst einmal weiter mit Trockenreifen auf der Strecke zu bleiben. Selbst eine Safety Car Phase konnte Button nicht am Sieg hindern, obwohl sie seinen Vorsprung auf den Rest des Feldes einschmolz. In den letzten vier Runden verzeichnete Button noch eine Schrecksekunde, als er einen Ausrutscher neben die Bahn zu überstehen hatte.

In der Schlussphase musste sich Button mit seinem aufholenden Teamkollegen Lewis Hamilton auseinandersetzen, der jedoch keinen Angriff mehr auf seinen Landsmann startete. Zuvor war Hamilton nach dem Reifenwechselchaos mal wieder mit etlichen kompromisslosen Überholmanövern durch das Feld nach vorne gefahren. Nach dem Rennen muss sich Hamilton den Fragen der Rennkommissare stellen. Bei einem der vielen Boxenstopps fuhr er gemeinsam mit Vettel in die Boxengasseneinfahrt und aus der Boxengasse heraus. Dabei duellierten sich die beiden auf dem gesamten Weg aus der Box heraus.

Hinter Button und Hamilton belegte Nico Rosberg zum Zweiten Mal in Folge einen Podestplatz. Zu Rennbeginn sammelte Rosberg sogar die ersten Führungskilometer für ein Mercedes-Werksteam seit 55 Jahren. Der Deutsche konnte gegen Rennende aber nicht mehr den Speed der McLaren mitgehen und musste beide ziehen lassen.

Hinter den drei Autos mit Mercedes-Power auf dem Podium fuhr Ferrari-Pilot Fernando Alonso auf Platz 4. Der fünfte Platz ging an Robert Kubica vor Sebastian Vettel und dem zweiten Renault von Vitaly Petrov, der sich kurz vor Schluss an Mark Webber vorbei schob. Die letzten beiden Punkteränge 9 und 10 ergatterten Felipe Massa und Michael Schumacher, der in der letzten Runde von seinem ehemaligen Ferrari-Teamkollegen überholt wurde. Schon davor zeigte Schumacher bei harten Duellen mit Hamilton, Adrian Sutil und Vitaly Petrov, dass er nichts von seiner Zweikampffähigkeit verloren hat.

Crash am Start

 

Das Rennen begann mit einem Frühstart von Fernando Alonso, der folgerichtig eine Drive-Through-Strafe abzusitzen hatte. Alonso überholte mit seinem Frühstart beide im Qualifying überlegenen Red Bull, von denen Sebastian Vettel den schlechteren Start erlebte und hinter seinen Teamkollegen Mark Webber zurückfiel. Das sollte sich beim Einsetzen des Regens rächen: Vettel musste sich beim Reifenwechsel auf Intermediates hinter Webber anstellen und verlor wertvolle Plätze.

Im Laufe des Rennens kämpften sich beide immer wieder nach vorne und fielen danach wegen neuerlicher Reifenwechsel zurück. Bei der zweiten Safety Car Phase, die von Jaime Alguersuaris Frontflügelteilen auf der Strecke ausgelöst wurde, drängte Hamilton Webber neben die Strecke, so dass der Australier endgültig hinter Vettel lag.

Die erste Safety Car Phase des Rennens wurde schon in Runde 1 ausgerufen. Tonio Liuzzi verlor seinen Force India beim Anbremsen und krachte seitlich in Kamui Kobayashi und Sebastien Buemi. “Ich war nur noch ein Passagier”, klagte Liuzzi. “Ich habe nicht viel gesehen. Als ich Kurve 5 anbremste, blockierte die Bremse und ich rutschte raus.”

Auch der zweite Sauber-Pilot Pedro de la Rosa kam nicht viel weiter: Er schied mit einem Motorproblem aus. Ebenfalls nicht ins Ziel kamen Jarno Trulli, Lucas di Grassi und Timo Glock. “Wir hatten in der Startaufstellung ein Motorproblem”, erklärte Glock, der gar nicht erst starten konnte. “Es gab keine Chance, das zu beheben. Der Druck war komplett weg.”

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Spionage-Nachwehen

Stepney vor Gericht

 

Er war Bestandteil eines der größten Skandale der jüngeren Formel-1-Geschichte, und darin gab es bekanntlich einige Skandale. Nigel Stepney und Mike Coughlan waren die Hauptdarsteller des Spygate getauften Spionageskandals zwischen Ferrari und McLaren 2007.

Am 12. Mai 2010 beginnt laut einem Bericht der Gazzetta dello Sport ein Prozess gegen Stepney vor einem Gericht der norditalienischen Stadt Sassuolo bei Bologna. Stepney sieht sich selbst als Opfer einer Verschwörung.

McLaren wurden damals von der FIA alle WM-Punkte des Jahres aberkannt. Zudem belegte die FIA das Team mit der Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar. Für Stepney, der Ferrari-Dokumente an Coughlan weitergegeben haben soll, ist der Fall noch nicht abgehakt.

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Vettel mit überlegenem Sieg

Kampf in Kurve 1

 

Die Weisheit ist nicht neu, galt in Malaysia aber mehr denn je: Moderne F1-Rennen werden oft am Start entschieden. Obwohl eine andere alte Weisheit besagt, dass man ein Rennen nicht in der ersten Kurve gewinnt, tat Sebastian Vettel genau das. “Das Rennen wurde in den ersten 500 Metern entschieden”, sagte Red Bull Teamchef Christian Horner.

Ihm konnte das Recht sein, immerhin fiel die Entscheidung zwischen seinen beiden Piloten. “Beide hatten einen exzellenten Start, Sebastian war in Kurve 1 innen, Mark ließ ihm genug Platz und sie kämpften in den Kurven 2 und 3. Das machte heute den Unterschied zwischen ihnen aus.”

Denn um mittlere Red-Bull-interne Katastrophen zu verhindern, schaltete sich Horner persönlich ein: “Wir haben am Start des Rennens mit Christian gesprochen und er sagte uns: Benehmt Euch, Jungs”, verriet Mark Webber. “Das haben wir gemacht. Wir waren in der ersten Kurve beide am Limit. Es hätte in beide Richtungen ausschlagen können, aber letztlich hat Sebastian den Sieg verdient.”

Vettel hörte keine Geräusche

 

Nach zwei verlorenen Siegen in Bahrain und Australien war Vettel auch froh über das Erfolgserlebnis. “Die ersten Rennen waren nicht nach unserem Geschmack, also ist es wichtig, dass das Auto funktioniert und heute hat es sehr gut gehalten”, sagte Vettel. “Wir haben gesehen, wozu wir in der Lage sind.” Wobei es ein Vorteil war, dass Ferrari und McLaren vom Ende des Feldes starten mussten.

Vettel selbst machte sich keine Gedanken über Zuverlässigkeitsprobleme. “Ich habe keine Geräusche gehört”, verriet er. “Klar hört man in den letzten Runden ins Auto rein und will es über die Ziellinie tragen, aber es lief alles gut. Ich habe etwas Gas rausgenommen, denn wir hatten einen guten Vorsprung und haben alles kontrolliert.”

Nur die Hitze setzte ihm im zweiten Stint etwas zu. “Ich konnte nicht aufhören zu schwitzen”, verriet er. “Da habe ich mir etwas Regen zur Abkühlung gewünscht!”

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Hamilton fuhr das Rennen seines Lebens

Strategiefehler

 

Lewis Hamilton musste gleich mehrmals tief durchatmen. Inmitten der Interviewmeute verschiedener Fernsehsender versuchte der McLaren-Pilot seinen Frust nicht zu sehr durchscheinen zu lassen – und vor allem sein Team nicht zu hart zu kritisieren.

Grund dazu hatte er: “Es war das Rennen meines Lebens”, erzählte er. “Aber aufgrund der Strategie wurde ich leider zurückgeworfen. Mit meiner Leistung bin ich zufrieden. Ich habe mir das Herz raus gefahren und ein besseres Ergebnis verdient.”

Sein Vorwurf ans Team: “Die Jungs leisten immer tolle Arbeit, aber die Strategie war nicht richtig. Ich war Dritter und alle vor mir haben nicht noch mal gestoppt. Meine Reifen waren gut, aber ich wurde rein geholt und plötzlich hatte ich 20 Sekunden Rückstand, habe meine Reifen zerstört und es war unmöglich zu überholen. Am Ende wurde ich von Mark Webber abgeschossen. Das war nicht cool.”

Auf diese Weise habe Hamilton einen Podestplatz und das Team einen möglichen Doppelsieg verpasst. “Ich weiß nicht, warum das Team mich reingerufen hat.” Teamchef Martin Whitmarsh drückte sich um die Antwort: “Es ist möglich, dass wir besser beraten gewesen wären, seine Reifenstrategie anders zu wählen.”

Statt sich zu ärgern blickt Whitmarsh nach vorne und ist von Hamiltons Fahrt von Startplatz 11 nach vorne ermutigt. “Sein Rennen war brillant”, sagte der Teamchef. “Er hat erneut seine Entschlossenheit, Leidenschaft und seinen Mut bewiesen, die ihn zu einem der aufregendsten Rennfahrer der Welt machen.” Mit seinen spektakulären Überholmanövern habe Hamilton im Alleingang bewiesen, dass die Formel 1 nicht langweilig sei. Ein gutes Ergebnis wäre ihm sicher lieber gewesen.

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