Endlich gutes Wetter in Portimao

Buemi vor den Debütanten

Nach zwei wettermäßig eher bescheidenen Tagen durften die fünf anwesenden Teams in Portimao am Mittwoch endlich das Fahren auf trockener Strecke üben. Zwar hatte es am Morgen noch auf nassem Geläuf begonnen, dank einigermaßen guten Wetters wurde es aber zusehends trocken und damit auch angenehmer für die Piloten. Zeichen für die besseren Verhältnisse war, dass Lewis Hamilton an seinem McLaren am Nachmittag mit einem Flügel neuer Konfiguration fuhr und das alte Modell abgelegt hatte, mit dem man im Nassen sicherheitshalber mehr Abtrieb haben wollte.

Problemfrei lief der erste Testtag des Weltmeisters aber nicht, da der McLaren am Nachmittag einmal den Dienst einstellte und Hamilton das Auto parken musste. Zumindest war zu erkennen, dass die Streckenarbeiter danach mit Bindemittel über den Kurs gingen, was darauf hindeutet, dass doch etwas Öl verloren gegangen war. Ein McLaren-Sprecher erzählte von einer Abschaltung des Motors. “Wir fahren unsere Motoren beim Testen mit größeren Vorsichtsmaßnahmen, also könnte es das gewesen sein, was die Abschaltung ausgelöst hat.”

Der erste Motorschaden

 

Weniger Glück hatte Timo Glock, dessen Toyota-Motor gleich ganz in Rauch aufging und ihn eine Zeit zum Zuschauen zwang – damit verzeichnete er den ersten kapitalen Motorschaden in diesem Jahr. Angesichts der neuen Motorregeln, wonach die Fahrer neben den acht Rennmotoren nur vier Testmotoren zur Verfügung haben, war das nicht gerade der ideale Auftakt für den Deutschen. Besser lief es bei Nico Rosberg, der so wie Sebastien Buemi im alten STR3 einige längere Runs absolvieren konnte. Rookie Buemi probierte auch noch ein paar Boxenstopps aus, wobei die Hütchen zur Simulation der Stopp-Position allerdings ein bisschen etwas abbekamen. Auch Fernando Alonso war an seinem ersten Tag im neuen Renault einigermaßen ausgiebig unterwegs. Doch der Spanier hatte nicht wie geplant KERS im Auto. Diesen Test hat Renault nun verschoben und will ihn kommende Woche mit Nelson Piquet Jr. in England bei einem Shakedown über 50 Kilometer nachholen.

Testzeiten gab es natürlich auch und dabei war wieder einmal das alte Auto schneller als die neuen. Zwar ist der STR3 auf neue Abtriebslevels getrimmt, dennoch hat das Auto gegenüber den neuen Versionen Vorteile, wodurch sich Buemi mit einer späten Runde von 1:27.987 rund 1,7 Sekunden vor Rosberg die Bestzeit holte. Der Williams-Pilot war mit 143 Runden dafür der Fleißigste gewesen. Hamilton wurde als Drittschnellster Fahrer des Tages gemessen. Sein Rückstand auf Buemi betrug rund 2,2 Sekunden. Glock kam 2,9 Sekunden hinter dem Schweizer auf Rang vier und Alonso hatte mit rund 3,7 Sekunden Rückstand die rote Laterne – wobei die bei Premieren-Tests nicht wirklich etwas zu bedeuten hat.

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Neuer McLaren in Woking vorgestellt

Hamiltons neues Spielzeug

Um 11:45 Uhr zogen Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen das Tuch von ihrem neuen Arbeitsgerät und enthüllten damit den neuen McLaren Mercedes MP4-24. Wie bei allen neuen Boliden für die Saison 2009 unterscheidet sich auch der neue Silberpfeil stark von seinem Vorgänger, dem MP4-23 mit dem Hamilton 2008 den F1-Weltmeistertitel einfahren konnte.Der Grund dafür ist das stark veränderte Technische Reglement für die Formel 1. Front- und Heckflügel sind deutlich verändert, zusätzliche aerodynamische Anbauteile sind nicht mehr erlaubt. Eine weitere Neuerung ist die Rückkehr zu profillosen Slick-Reifen. Neu im Technischen Reglement ist das Energierückgewinnungssystem KERS, das ab 2009 eingesetzt werden darf und das den Fahrern für kurze Zeit zusätzliche Leistung zur Verfügung stellt.

Besonderer Moment für Hamilton

“Die Präsentation eines neuen Autos ist für einen Rennfahrer immer ein spannender Moment, doch die Enthüllung des MP4-24 ist für mich etwas ganz Besonderes”, sagte der jüngste Weltmeister aller Zeiten. “Nicht nur, weil das Auto toll aussieht, sondern weil es die Nummer 1 trägt, die Startnummer des Weltmeisters.”

Den Weg zu einer möglichen Titelverteidiger schätzt Hamilton als lang und schwierig ein. “Der Kampf um die Weltmeisterschaft dürfte in diesem Jahr auf Grund der vielen Regeländerungen ganz offen sein und das sind für die Formel-1-Fans erfreuliche Aussichten. Für mich persönlich hoffe ich auf eine weitere erfolgreiche Saison und die Chance, wieder um den Titel zu kämpfen; wenn nötig, bis zum letzten Rennen, aber eine frühere Entscheidung wäre mir lieber.”

Teamkollege Heikki Kovalainen hat die Entstehung des MP4-24 genau verfolgt. “Beim Training und bei der Arbeit mit den Ingenieuren hatte ich das Ziel, die Saison auf dem höchstmöglichen Niveau zu beginnen”, sagte er. “Bei so vielen neuen Regeln wird viel davon abhängen, wie schnell man sich darauf einstellt, und ich fühle mich besser gerüstet denn je.”

Das Team hat bereits zwei Chassis des MP4-24 fertig gestellt. Die Testfahrten beginnen am Montag, 19. Januar 2009 auf dem Autodromo do Algarve in Portugal. An den ersten beiden Tag wird Testfahrer Pedro de la Rosa am Steuer sitzen, dann werden Hamilton und Kovalainen jeweils einen Tag testen.

Zwei WM-Titel im Visier

Auch nach dem Titelgewinn, so Teamchef Ron Dennis, habe man bei den Vorbereitungen für die neue Saison nicht nachgelassen. “Besonders unsere Bemühungen, die umfangreichen Regeländerungen zu verstehen und umzusetzen, waren gründlicher als je zuvor”, erklärte er. Die vielen technischen Neuerungen würden es schwierig machen, die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Teams einzuschätzen. “Doch als Team können wir stolz sein auf unsere Leistung und uns auf eine weitere hart umkämpfte Formel-1-Saison freuen. Unser Ziel sind beide Titel, bei den Fahrern und bei den Konstrukteuren.”

Martin Whitmarsh wagt sich ebenfalls keine Einschätzung abzugeben, welche Teams ihre Autos am besten auf die neuen Regeln vorbereitet haben. “Diese Regeln haben uns während des gesamten Konstruktionsprozesses vor beträchtliche Aufgaben gestellt, aber wir haben alle Auswirkungen sorgfältig abgewogen und ein Auto gebaut, auf das wir stolz sein können”, betonte er. “Zudem sind wir zuversichtlich, dass die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Überholen dazu beitragen, die Rennen spannender zu machen und damit den Unterhaltungswert für die Zuschauer steigern.”

Demzufolge erwartet auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, dass die Saison 2009 höchst spannend wird. “Wir haben das neue Auto zu bisher günstigsten Konditionen entwickelt und gebaut und es ist auffallend elegant geraten”, sagte er. “Ich bin sicher, dass die mit einschneidenden Maßnahmen zur Kostensenkung verbundenen Regeländerungen den Sport verbessern – und das ist toll für die interessierten Zuschauer.”

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Neuer McLaren in Woking vorgestellt

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Lewis Hamilton

Bestens gerüstet

Hat dich der Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft verändert?
Lewis Hamilton: Ich fühle mich durch diese Erfahrung gereift. Ich bin in meiner Karriere sehr schnell voran gekommen und musste deshalb früher als üblich Verantwortung übernehmen. Die Erlebnisse von 2008 halfen mir, mich persönlich weiter zu entwickeln; nicht nur im Sport, sondern auch, wie ich mit meinem Umfeld klar kam, mit meiner Familie und mit meinem Leben. Ich weiß, dass ich eine große Verantwortung trage und dass ich ein gutes Beispiel geben muss. Man braucht eine gewisse Reife, um damit umzugehen und deshalb lerne ich weiter und gebe mein Bestes.

Wie hast du den Winter verbracht?
Lewis Hamilton: Am wichtigsten war, meine Batterien wieder aufzuladen. Die letzte Saison war physisch wie psychisch sehr hart und der Zeitplan mit Rennen und Testfahrten lässt einem keine Zeit, wieder auf den optimalen Fitnessstand zu kommen. Deshalb habe ich mich zunächst nicht um das Auto, sondern um meine persönliche Vorbereitung für 2009 gekümmert, um körperlich wieder topfit zu sein. Jetzt fühle ich mich für die Wintertestfahrten und die vor uns liegende Saison bestens gerüstet.

Auf was freust du dich in der Saison 2009 am meisten?
Lewis Hamilton: Die umfangfreichen Regeländerungen sind für einen Fahrer sehr interessant. Schon bisher waren die Wintermonate immer ziemlich spannend, weil man sich sehr mit der Entwicklung des neuen Autos beschäftigte, und jetzt wird sich das noch steigern. Bei so vielen Änderungen wird das eine ganz neue Erfahrung. Ich hoffe, die Rennen werden so spannend wie angekündigt, denn das macht den Fahrern mehr Spaß und für die Formel-1-Fans ist es einfach fantastisch.

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