Qualifying

Vettel meldet sich zurück

 

Nachdem McLaren in Kanada die Red-Bull-Pole-Serie durchbrochen hat, schlugen Sebastian Vettel und Mark Webber in Valencia zurück. Auf einer Strecke, die dem RB6 eigentlich nicht so gut liegen sollte, distanzierten Vettel und Webber die Konkurrenz von McLaren und Ferrari klar. Vettel setzte sich um ein knappes Zehntel gegen Webber durch.

Lewis Hamilton und Fernando Alonso starten hinter den beiden Red Bull Piloten aus der zweiten Reihe. Hamilton verlor die Chance auf einen besseren Startplatz durch einen Fehler auf seiner letzten Runde. Die dritte Reihe bilden Felipe Massa und Robert Kubica. Jenson Button startet im zweiten McLaren nur von Position sieben – neben dem Deutschen Nico Hülkenberg, der seinen Teamkollegen Rubens Barrichello hinter sich ließ. Im Gegensatz zu Barrichelo fuhr Hülkenberg nicht mit dem neuen Williams-F-Kanal. Die Top-10 rundet Vitaly Petrov ab.

Beide Mercedes ausgeschieden

 

Eine Überraschung gab es im zweiten Qualifying: Beide Mercedes-Werkspiloten schieden vorzeitig aus. Nico Rosberg landete auf dem 12. Platz, Michael Schumacher sogar nur auf dem 15. Der Rekordweltmeister kämpfte sogar schon im Q1 bis zuletzt, um überhaupt den Sprung in die zweite Runde zu schaffen. Sein Ingenieur vermutete dabei ein Problem mit der Servolenkung. Das Ergebnis im Q2 bestätigte jedoch, dass Mercedes im Qualifying nicht schnell genug war, um unter die Top-10 zu gelangen.

“Enttäuschend – es geht so eng zu, dass sechs Zehntel Abstand zur Bestzeit Platz zwölf bedeuten – aber das war heute einfach nicht gut genug”, gestand Norbert Haug. “Nico fehlten keine acht Hundertstel, um in die Top Ten zu kommen – ein schwacher Trost. Dass Michael bei seiner schnellsten Runde im letzten Sektor Verkehr hatte, verhinderte eine bessere Zeit.”

Neben den beiden Silberpfeilpiloten schieden auch Sebastien Buemi, Adrian Sutil, Tonio Liuzzi, Pedro de la Rosa und Jaime Alguersuari aus. Dafür schafften beide Renault und beide Williams den Sprung unter die besten Zehn.

Verkehrtes Bild am Ende

 

Neben den sechs Piloten der neuen Teams scheiterte Sauber-Fahrer Kamui Kobayashi am Einzug ins Q2. Bester Neuling war Jarno Trulli vor seinem Teamkollegen Heikki Kovalainen. Bei Virgin und HRT wurde das gewohnte Bild umgedreht: Lucas di Grassi schlug Timo Glock, Karun Chandhok war schneller als Bruno Senna.

“Wir haben etwas gepokert”, erklärte Glock seine Probleme. “Ich hatte das Gefühl, dass der weiche Reifen besser ginge, wenn das Auto auf eine Runde passt.” Aber er merkte schnell, dass das nicht stimmte. “Dann nur einen Run auf den harten Reifen gehabt und leider meinen ersten großen Fehler im Qualifying in diesem Jahr gemacht.” In der letzten Ecke kam er auf den Kerb und das Auto setzte auf. “Da habe ich viel Zeit verloren. Sonst wäre es der normale Abstand zu Lotus gewesen und ich wäre auch vor meinem Teamkollegen gewesen.”

Auch Senna nahm die Niederlage gegen seinen Teamkollegen auf seine Kappe. “Das Auto war ziemlich unruhig und instabil, es war gestern leichter zu fahren”, sagte er. “Ich habe aber auch keine wirklich gute Runde erwischt, drei Sektorbestzeiten in drei verschiedenen Runden, das passiert halt mal.”

Das Qualifying im Überblick

 1. Session

 

 

 Zwischenfälle: keine

 

 

ausgeschieden: Kobayashi, Trulli, Kovalainen, di Grassi, Glock, Chandhok, Senna 

 

 

 Top-6: Kubica, Vettel, Button, Barrichello, Alonso, Webber

 2. Session

 Zwischenfälle:

 

 

 ausgeschieden: Buemi, Rosberg, Sutil, Liuzzi, Schumacher, de la Rosa, Alguersuari

Top-6: Vettel, Webber, Massa, Kubica, Hamilton, Alonso

 3. Session

 Zwischenfälle:

 

 

 keine

 

 

 Top-6: Vettel, Webber, Hamilton, Alonso, Massa, Kubica

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 28062010

Red Bull von McLaren-Pace nicht überrascht

Besser ausgesehen als selbst gedacht

 

Schon vor dem Wochenende in Kanada hatte Red Bull angekündigt, der Circuit Gilles Villeneuve werde dem RB6 nicht unbedingt liegen. Dementsprechend zeigte sich das Team nach dem Rennen nicht davon überrascht, dass sich McLaren in Montreal stärker präsentierte als man selbst. Teamchef Christian Horner ist überzeugt, dass die WM noch weit offen ist und will nur das Positive vom Ausflug nach Nordamerika mitnehmen.

“Wir haben hier besser ausgesehen und waren stärker gegen die McLaren als ich das erwartet habe. Der Vorteil, den McLaren an dieser Strecke hat, war für uns immer nur schwer zu überwinden. Aber die Pace unseres Autos war besser, als wir das vor dem Event erwartet hatten, also holten wir immer noch wertvolle Punkte und es ist noch ein weiter Weg”, sagte Horner. Er sah einige Strecken kommen, die Red Bull liegen sollten, deswegen war für ihn die Leistung von Kanada auch eher ermutigend.

Valencia die nächste Herausforderung

 

Die zu McLaren konträre Reifenstrategie erachtete Horner als Versuch, um noch mehr auszurichten, doch sie genügte eben nicht, um sich das ganze Rennen vor der Konkurrenz zu halten. Das lag vor allem daran, weil die härteren Reifen zu Rennbeginn nicht so lange hielten wie gedacht. “Dadurch gab es aber ein interessantes Rennen. Hoffentlich können wir in Valencia stark auftreten, das wird eine weitere Herausforderung für uns. Dann geht es aber wieder an Strecken, die unseren Stärken mehr entgegenkommen sollten. Es ist also noch alles offen”, merkte der Teamchef an.

Neben den nicht gerade vorteilhaften Strecken-Charakteristika des Circuit Gilles Villeneuve bremsten Red Bull in Kanada auch Getriebe-Probleme bei Sebastian Vettel und Mark Webber. Das waren nicht die ersten Zuverlässigkeits-Probleme in diesem Jahr, doch Horner wollte verschenkten Punkten nicht nachtrauern – auch wenn sein Team lange das bei weitem stärkste Auto im Feld hatte. “Andere haben ihre Möglichkeiten auch nicht voll genutzt, seien es Radmuttern oder Schäden am Auto gewesen. Diese Dinge gleichen sich normalerweise aus”, sagte er.

Auf der Leistung aufbauen

 

Im Moment liege alles noch eng beisammen, die Saison sei noch nicht einmal halb vorbei und daher noch alles offen, betonte er noch einmal. “Valencia wird den Stärken von McLaren und Mercedes entgegenkommen. Wir dachten, es wären hier mehr Mercedes getriebene Autos vor uns, also konnten wir den Schaden eigentlich begrenzen. Es kommen einige Entwicklungen bei uns. Ich bin mir sicher, wir können dorthin fahren [nach Valencia] und auf der Leistung von hier aufbauen”, meinte Horner.

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 21062010

3. Freies Training

Hamilton vor Webber

 

McLaren ist auch am Samstag in Kanada stark. Lewis Hamilton fuhr in 1:16.058 Minuten die schnellste Zeit des 3. Freien Trainings. Knapp drei Zehntel dahinter reihte sich Mark Webber auf dem zweiten Platz ein. Fernando Alonso hatte als Dritter bereits über vier Zehntel Rückstand, Michael Schumacher lag als Vierter fast eine halbe Sekunde hinter dem Briten.

Der Freitagsschnellste Sebastian Vettel gab sich mit dem fünften Platz zufrieden – vor Robert Kubica, Adrian Sutil, Jenson Button, Tonio Liuzzi und Vitaly Petrov.

Schumachers Teamkollege Nico Rosberg fuhr erst zwei Minuten vor Trainingsende aus der Box. Der junge Deutsche wurde von Kupplungsproblemen geplagt. Den ersten Mauerkontakt das Wochenendes hatte Felipe Massa, der mit der linken Seite seines Ferrari an der Mauer entlangschrammte und Funkenflug verursachte. Hamilton tat es ihm kurz vor Trainingsende gleich. Karun Chandhok konnte wegen eines Hydraulikdefekts gar nicht fahren.

Den einzigen Abflug des Trainings legte Lucas di Grassi im Virgin auf den neuen Asphalt in der Haarnadel. Der Brasilianer verlor das Auto beim Anbremsen, kam auf das Gras und drehte sich ins Kiesbett.

Wie am Freitag kämpften die Piloten mit stark abbauenden Reifen, vor allem bei der weicheren Mischung. Diese ist dafür um einige Zehntel schneller als die harte Mischung, allerdings nur auf einer einzigen Runde.

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 14062010

Webber

Wir werden miteinander reden

 

Auch am Tag nach dem Rennen in Istanbul glätteten sich die Wogen um den Zusammenstoß von Sebastian Vettel und Mark Webber nur langsam. Die Schuldfrage war immer noch nicht genau geklärt, beide Fahrer hatten sich im Recht gesehen – Vettel, weil er die innere Linie hatte und Platz brauchte, Webber, weil er seinen Teamkollegen nicht weiter abgedrängt hatte. Der Australier hatte die Sache am Sonntagabend als “verfluchtes Desaster” bezeichnet, er wusste aber auch, dass eine teaminterne Fehde wohl niemandem helfen dürfte.

So wollten zwar einige Medien von einem Handgemenge im Red Bull Motorhome wissen, Webber versuchte die Sache aber schon früh zu beruhigen. “So etwas kann passieren. Die Situation beim Unfall war nicht ideal. Wir werden miteinander reden, denn wir sind erwachsene Männer. Das Leben geht weiter”, erklärte er.

Ein wenig Zündstoff versuchte McLaren in die ganze Sache zu bringen. Dort weiß man genau, dass Unfrieden bei Red Bull dem eigenen Angriff auf den Titel nur helfen kann. “So ein dummes Manöver würde ich nie machen”, meinte etwa Rennsieger Lewis Hamilton, der gemeinsam mit Teamkollege Jenson Button der engste Verfolger Webbers in der WM ist. Neun Punkte hat Hamilton Rückstand auf den Australier, fünf Zähler fehlen Button auf die WM-Spitze, beide McLaren-Piloten betonen immer wieder, wie gut sie miteinander auskommen. Button hatte schon direkt nach Renn-Ende über Funk gemeint: “Wir haben Druck ausgeübt, und sie sind daran zerbrochen.”

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 31052010

Button

Angriff auf Red Bull

 

McLaren ist erneut der Red-Bull-Jäger Nummer 1 unter den Verfolgern. Aber nicht nur das: McLaren war schon im Qualifying näher dran an den überlegenen Red Bull als bei den letzten Rennen. Jenson Button konnte sein Glück kaum fassen. “Wir sind näher dran als bei den letzten Rennen, wir haben definitiv einen Schritt vorwärts gemacht”, sagte er nach Platz 4. Sein Teamkollege Lewis Hamilton konnte Mark Webber und Sebastian Vettel sogar sprengen und sich zwischen sie auf Platz 2 schieben.

In Barcelona hatte Red Bull noch eine Sekunde Vorsprung, in der Türkei sind es nur noch wenige Zehntel. “Wir sind viel näher dran als erwartet”, sagt Button. Allerdings vergisst er, dass Sebastian Vettel ein Stabilisatorproblem hatte. Ohne dieses wäre er wohl nicht nur auf Pole gefahren, sondern hätte die Konkurrenz auch noch mal um einige Zehntel distanziert. Helmut Marko glaubt, dann wäre Red Bull wieder in der Barcelona-Liga gefahren.

Angriff auf Red Bull

 

Trotzdem lässt sich Button nicht entmutigen. “Bei Red Bull war die Qualifying-Pace immer das Herausstechende”, erinnerte er. “Wenn wir im Qualifying näher dran sind, können wir sie im Rennen herausfordern.” Denn die Rennpace von McLaren war bislang immer näher an Red Bull dran. Zusätzliche Hoffnung gibt ihm der F-Kanal: “Wir haben einen guten Topspeed auf den Geraden”, betont Button. “Und auf dieser Strecke kann man überholen.” Red Bull verzichtet auf den Einsatz des neuen F-Kanals.

Aber nicht alles lief für Button nach Plan. Auf seiner letzten schnellen Runde im Q3 kamen ihm die gelben Flaggen wegen des Abflugs von Michael Schumacher in die Quere. “Also kam ich direkt wieder an die Box, weil mein letzter Run nicht schneller sein konnte.” Ein kleines Eigentor schoss er sich mit der Fahrhöhe seines McLaren. In Kurve 8 verlor er drei Zehntel auf seinen Teamkollegen, weil er das Auto zu niedrig eingestellt hat.

“Das war mein Fehler”, gesteht Button. “Ich wollte das Auto für den Rest der Strecke niedrig haben, aber es ist etwas zu niedrig für Kurve 8.” Im Rennen muss er zu Beginn mit viel Benzin fahren, allerdings fahre er dann auch langsamer, so dass das Auto nicht zu stark auf den Boden gedrückt werde. “Wir müssen darauf hoffen, dass das hilft.” Eine Veränderung der Fahrhöhe ist vor dem Rennen nicht erlaubt.

© adrivo Sportpresse GmbH

Foto: Sutton

© www.KFZ.de 31052010