Whitmarsh vor der Amtsübernahme

Große Fußstapfen aber kaum Veränderungen

 

Es sind nur mehr wenige Tage bis Martin Whitmarsh offiziell das Zepter bei McLaren-Mercedes als Teamchef von Ron Dennis übernimmt. Was sich wie ein großer Wechsel anhört, wird von Whitmarsh selbst allerdings nicht so bedeutend gesehen. So habe sich bislang ohnehin kaum etwas geändert und auch auf weitere Sicht erwartet der zukünftige Teamchef keine großen Umwälzungen. “Zu Recht, könnte man sagen, denn Ron und ich haben die zentralen Unternehmensfragen stets gemeinsam diskutiert – kaum etwas geschieht, ohne dass der andere davon weiß. Davon abgesehen laufen die Dinge ja auch nicht so schlecht, dass Änderungen nötig wären. In vielerlei Hinsicht könnte man von einer 20-jährigen Übergangsphase sprechen – rechnen Sie also vor Melbourne nicht mit irgendwelchen radikalen Veränderungen”, sagte er in einem Interview mit der dpa .
Auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug geht davon aus, dass alles ähnlich weiterlaufen wird, schließlich hätte man seit Beginn der Zusammenarbeit mit McLaren vor eineinhalb Jahrzehnten ein Trio gebildet. “Wir sind ein eingespieltes Team mit vollstem Vertrauen zueinander und können uns auf kürzestem Weg abstimmen”, betonte er. Einen Streit um Kompetenzen erwartete Haug ohnehin nicht, schließlich sei Dennis als Vorsitzender und Geschäftsführer der McLaren-Gruppe weiter daran gelegen, dass die Formel-1-Mannschaft erfolgreich sei. “Es gibt hier kein Kompetenzgerangel sondern einen klar definierten Weg nach vorne, auf dem jeder stetig die von ihm zu erwartenden Schritte macht – und zwar mit Tempo”, so Haug.

Es wird schwierig

 

Whitmarsh war sich allerdings bewusst, dass er in große Fußstapfen tritt, ungeachtet der weiteren internen Kooperation. “Mir ist vollkommen bewusst, dass es unglaublich schwer sein wird, sich daneben zu behaupten. Da ich Ron während seiner gesamten Karriere beruflich am nächsten gestanden habe, weiß ich vielleicht besser als jeder andere, wie schwierig es sein wird, denn ich habe ja gesehen, wie hart Ron arbeitet.” Für den Sieg habe Dennis immer alles gegeben, konnte er nur betonen. Dass es in der Beziehung zu ihm Höhen und Tiefen gab, konnte Whitmarsh nicht verneinen, doch Dennis sei auch sehr großzügig gewesen. “Ich gebe das nicht gerne zu – nicht vor mir selbst und schon gar nicht gegenüber anderen, aber Ron hat mich über die Jahre geformt. Und ich denke auch ganz unbescheiden, dass ich ein offeneres Ohr bei ihm finde als jeder andere.”

Klar ist für Haug und Whitmarsh, dass man weiter gemeinsam Erfolge feiern will und sich gemeinsam auf die anstehenden Aufgaben konzentriert. “Ob es darum geht, das Rennteam auf einen Sieg einzuschwören oder die Gruppe zu stärken, damit wir die aktuelle Rezession ungebremst durchstehen. Die Formel 1 ist nichts für schwache Nerven, und jeder bei McLaren Mercedes lebt allein für den Gewinn von Rennen und Meisterschaften”, sagte der angehende Teamchef. Seine Aufgabe sah Whitmarsh dabei klar definiert: er soll den Titel bei den Fahrern und den Konstrukteuren holen. Wie groß das Ausmaß seiner Aufgabe dann tatsächlich ist, dazu wollte er lieber am Ende des Jahres Stellung nehmen.

Familienmitglied Lewis Hamilton

 

Sicher war sich Whitmarsh nur, dass es kein Problem sein wird, dass Dennis als starke Bezugsperson von Lewis Hamilton nun nicht mehr ständig beim Team sein wird. “Ich durfte Lewis in seiner frühen Karriere intensiver beobachten als sonst irgendwer und weiß seit langem, wie außergewöhnlich talentiert er ist. Ich würde also sagen, dass meine Beziehung zu Lewis enger ist als in der Vergangenheit zu anderen Fahrern”, erklärte er. Auch Hamiltons Vater kenne er gut und musste umgekehrt behaupten, dass der junge Brite das Team auch als Teil seiner Familie sehe. Ähnliches galt für Haug. “Wir alle haben ein prima Verhältnis zu Lewis, er war vor vier Jahren noch für zwei Jahre bei uns in Deutschland, als er in der Formel-3-Euroserie im DTM-Rahmenprogramm fuhr. Lewis ist seit über zehn Jahren in unserem Team, da kennt und schätzt man sich entweder extrem – oder man ist nicht mehr beieinander.”

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Ende der Spekulationen?

Dennis bleibt

Nachdem es in den vergangenen Wochen immer wieder Gerüchte gegeben hat, dass Ron Dennis als Chef des Formel 1-Teams von McLaren zurücktreten könnte, scheint nun klar, dass dem nicht so sein wird. Wie mehrere britische Medien, darunter Autosport und grandprix.com melden, hat Dennis seinen Mitarbeitern im McLaren Technology Centre in Woking vor seinem Abflug nach Melbourne mitgeteilt, dass er weiter an der Spitze des Teams bleiben werde.

Wie lange er dort bleibt, ist hingegen nicht bekannt. So halten sich im Fahrerlager nach wie vor Gerüchte, dass er bereits im Laufe der Saison seinen Posten räumen könnte. Angeblich könnte er sich nach dem dritten Saisonrennen von seiner Position als Teamchef zurückziehen. Die Spekulationen um Dennis’ Zukunft werden damit wohl auch in den kommenden Wochen nicht abreißen. Neben der Position des Teamchefs bekleidet Dennis auch die Posten als Vorsitzender und Geschäftsführer der McLaren Group.

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Whitmarsh betont

Dennis hat die volle Unterstützung

Nachdem diese Woche Gerüchte aus Spanien, wonach Ron Dennis an der Spitze von McLaren bereits abgelöst sei, sofort von Mercedes zurückgewiesen wurden, wollten einige nach den Durchsuchungen bei McLaren am Mittwoch neuen Druck auf dem Teamchef lasten sehen. Doch von McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh wurde nun betont, dass Dennis nach wie vor die volle Unterstützung des Teams und auch aller Partner hat. “Die Gerüchte sind ohne Grundlage – aus verschiedenen Gründen”, meinte Whitmarsh gegenüber Autosport.

Da waren einerseits die Besuche der italienischen Behörden in Begleitung der Polizei von Surrey, die laut Whitmarsh in keiner Weise überraschend kamen, da sie Teil einer fortlaufenden Ermittlung waren. Aus diesem Grund habe es dadurch auch keine Spannungen gegeben. “Zweitens – und am wichtigsten – Leute, die glauben, dass Ron gezwungen sein könnte, zurückzutreten, verstehen die Unternehmensstruktur der McLaren-Gruppe nicht. Ron hat die volle Unterstützung aller Anteils-Eigner, des Managements und von allen, die im Team und unserem Unternehmen arbeiten. Er hat im Moment drei Aufgaben: Vorsitzender der McLaren-Gruppe; Geschäftsführer der McLaren Gruppe; Teamchef von McLaren Mercedes”, erklärte Whitmarsh.

Deswegen ist für ihn auch eindeutig, dass es an Dennis liegt, wann und ob er zurücktrete. Und noch eines war für Whitmarsh völlig klar: Dennis wird beim ersten Saison-Rennen in Melbourne an der Strecke sein. Was er zudem noch einmal betonten musste, war, dass McLaren bei der Untersuchung am Mittwoch voll mit der Polizei kooperiert hat und alles ohne Zwischenfälle abgelaufen ist. “Die beteiligten Polizisten waren effizient und höflich und sind mit minimalem Tamtam ihrer Arbeit nachgegangen. Wir haben ihre Untersuchungen begrüßt und sie voll unterstützt und die Polizei hat sich mit unserer Kooperation völlig zufrieden gezeigt.”

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Der weiche Dennis

Mitleid für Freund Räikkönen

Er mag ehrgeizig sein und dem Sieg so einiges unterordnen, aber Ron Dennis ist anscheinend keiner, der seine ehemaligen Piloten gerne leiden sieht – auch wenn sie bei der Konkurrenz fahren. So leidet Dennis auch ein bisschen mit Kimi Räikkönen mit, der bei Ferrari nach dem guten Auftakt in Melbourne etwas strauchelt. “Ohne Ausnahme würde ich sagen, dass jeder von ihnen [den ehemaligen McLaren-Fahrern] noch immer ein Freund ist, auch Juan Pablo Montoya, der nach Amerika gehen wollte und mit dem es ein schwieriges Ende der Zusammenarbeit gab. Aber es war nicht so schmerzlich, dass es die Freundschaft beschädigt hätte”, meinte Dennis gegenüber der Press Association .

Deswegen zählt Dennis auch Räikkönen noch zu seinen Freunden. “Ich habe gesehen, wie er mit seinen Problemen kämpft. Ich sehe ihn als Freund und nicht als Gegner und ich verbringe keine Zeit damit, über was wäre wenn nachzudenken. Alle, die für McLaren gefahren sind, haben ihr Bestes gegeben und wir haben versucht, ihnen ihre Chance zu geben. Aber die Vergangenheit ist die Vergangenheit, die Zukunft ist die Zukunft und Jetzt ist Jetzt”, erklärte er. Aber auch wenn er die Vergangenheit abgehakt hat, so ist ihm nicht alles egal. “Einen Freund leiden zu sehen, macht mir überhaupt keine Freude.”

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