FIA berät Regeländerungen

Hinter dem Safety Car

 

Im Fahrerlager von Monaco herrscht immer Chaos, aber nach dem Grand Prix am vergangenen Sonntag umso mehr: Durfte Michael Schumacher Fernando Alonso in der letzten Kurve des Rennens überholen oder nicht? Viele Experten und Rennfahrer glaubten: Ja, das darf er. Das Regelbuch sagt jedoch: Nein, das darf er nicht.

Mercedes wollte dagegen in Berufung gehen, verwarf diese Idee aber im Sinne des Sports. Die FIA reagierte trotzdem. In einer Stellungnahme teilte sie mit, dass die Probleme nach dem Monaco GP eine fehlende Klarheit im Regeltext aufgezeigt hätten. Demnach seien Veränderungen am Reglement notwendig, um das Rennende hinter dem Safety Car klarer festzulegen.

“Diese Anpassungen werden dabei helfen, zu verhindern, dass die Probleme des Monaco Grand Prix zukünftig erneut auftreten”, heißt es seitens der FIA. Die Sporting Working Group der Formel 1 wird einen Änderungsvorschlag an die Formel 1 Kommission übermitteln, der dann beim nächsten Meeting des World Motor Sport Council am 23. Juni in Genf abgesegnet werden soll.

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Schumacher

Es war ein Rennunfall

 

Der Australien GP von Michael Schumacher begann stark, war aber schon in der ersten Kurve quasi gelaufen. Den Start erwischte der Mercedes-Pilot perfekt, doch dann wurde er in Kurve 1 von Fernando Alonso getroffen, der sich nach einer Berührung mit Jenson Button drehte.

“Am Start ging es wild her, es wurde geschoben, gemacht und getan”, sagte Schumacher. “Bei diesen Bedingungen war es äußerst schwierig, die Kontrolle zu haben.” Den Unfall mit Alonso, bei dem Schumachers Frontflügel beschädigt wurde, bezeichnete er als Rennzwischenfall. “Das ist einfach Racing”, sagte Schumacher, der durch den nötigen Boxenstopp ans Ende durchgereicht wurde.

Schneller als die Spitze

 

Im Laufe des Rennens duellierte sich Schumacher mit einigen Piloten, allen voran dem jüngsten GP-Starter aller Zeiten: Jaime Alguersuari im Toro Rosso. “Die Jungs geben Gas”, erkannte der siebenfache Champion an. “Wir waren zusammen teilweise schneller als die Spitze. Er hat das Maximum gegeben. Ich hätte noch schneller fahren können, wir waren deutlich schneller und haben Fortschritte mit dem Auto gemacht, aber es hat nicht gereicht, um ihn zu überholen.”

Erst als Alguersuari kurz vor Ende einen Fehler beging, schlüpfte Schumacher durch und schnappte sich auch noch Pedro de la Rosa. Somit gab es wenigstens einen WM-Punkt für Platz 10. “Ich glaube, wir haben kleine Wiedergutmachung fürs erste Rennen betrieben. Es war sicher genug Action. Jetzt hoffen wir, dass wir in Malaysia ein gutes Rennen haben und mehr Punkte mitnehmen.”

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Lauda

Schumacher als Gradmesser

 

Der Countdown läuft. Am Freitag beginnt die neue Formel-1-Saison mit dem ersten Freien Training des Jahres 2010. Auch Niki Lauda freut sich auf die neuen Duelle. “Ferrari, McLaren, Mercedes und Red Bull sind meiner Meinung nach nur ein, zwei Zehntel auseinander, also im Prinzip alle gleich schnell”, sagt der RTL-Experte. “Jetzt kommt es darauf an, wer sich in Bahrain als Schnellster qualifiziert und auf der Pole Position ins Rennen geht.”

Vorhersagen traut sich Lauda keine abzugeben. “Fernando Alonso im Ferrari ist genauso motiviert wie Sebastian Vettel im Red Bull oder Lewis Hamilton im McLaren. Da sehe ich gar keine Unterschiede im Moment.” Rückkehrer Michael Schumacher zählt er als Ausnahmesportler ebenfalls dazu.

“Er weiß wirklich, wie es geht!”, meint Lauda. “Ich traue ihm durchaus zu, vom ersten Training an volle Leistung zu bringen.” Besonders interessant empfindet Lauda das Mercedes-Stallduell gegen Nico Rosberg. “Es wird besonders interessant sein zu sehen, ob und wie schnell sein Teamkollege Nico Rosberg an diese Übermacht Schumacher heranfahren kann.”

Schumacher als Profilierungschance

 

Der Gradmesser Schumacher sei für Rosberg, aber auch andere junge Fahrer entscheidend. “Das kann eine Chance für die anderen Piloten sein, denn jeder, der dem Schumi vorweg fährt, macht positiv auf sich aufmerksam”, erklärt der Ex-Champion. “Rosberg leidet vielleicht etwas unter dem Schumi-Hype, aber das sollte ihm egal sein. Nico muss sich nur darauf konzentrieren, dass er vom ersten Training an der Schnellere ist, alles andere muss er ignorieren.”

Denn: “Der Schumi-Hype hält nur solange an, bis er anfängt zu fahren. Dann ist er wieder einer von vielen und dann entscheidet sich, wer die Nase vorn hat.” Das könnte auch Sebastian Vettel sein. Lauda hält Red Bull für enorm konkurrenzfähig, aber auch Ferrari mit Fernando Alonso und McLaren mit Lewis Hamilton und Jenson Button hat er auf seinem Zettel stehen.

“Felipe Massa muss wie Nico Rosberg bei Mercedes um seine Position im Team richtig kämpfen”, glaubt Lauda. “Das gleiche wird auch Jenson Button tun müssen, weil Lewis Hamilton einen Riesenvorteil dadurch hat, dass er schon länger bei McLaren ist und zudem wirklich schnell Auto fahren kann.”

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Schockstarre bei Ferrari

Grausamer Rennsport

Einst hatte man sich bei Ferrari mit sichtlichem Genuss die technischen Missgeschicke der Konkurrenz zu Nutze gemacht: Mit erschreckender Regelmäßigkeit war es einst insbesondere am McLaren Mercedes von Kimi Räikkönen immer wieder zu Defekten gekommen – die Michael Schumacher im WM-Kampf davonziehen ließen. Spätestens seit vergangenen Jahr haben die Silberpfeile ihre Zuverlässigkeitsprobleme in den Griff bekommen – bevor es heute gar zum Rollentausch kam…

“Nach dem Start haben wir eine unglaubliche Performance gezeigt. Ich hatte das Rennen unter Kontrolle, denn nach dem Problem bei Hamilton musste ich kein Risiko mehr eingehen. Ich hatte 23 Sekunden Vorsprung auf Heikki Kovalainen”, fühlte sich Felipe Massa bereits vorzeitig als Sieger, erlebte jedoch eine böse Überraschung. “Der Motorschaden ist ohne jede Vorwarnung passiert. Wenn das Rennen eigentlich schon gelaufen ist, nur noch zwei Runden zu fahren sind und plötzlich der Motor in Rauch aufgeht, ist das natürlich kein tolles Gefühl. Rennsport kann grausam sein.”

Noch befinden sich die einst für ihre Zuverlässigkeiten bekannten Italiener auf Fehlersuche: “Das Problem wird analysiert. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber es fühlte sich sehr seltsam an. Wir müssen an der Zuverlässigkeit des Autos weiterhin arbeiten.” Kimi Räikkönen, der Erlebnisse wie diese aus seiner Zeit bei McLaren zur Genüge kennt, litt mit seinem brasilianischen Teamkollegen: “Es ist schrecklich, ein Rennen so zu verlieren. Es war aber auch für mich kein tolles Rennen.”

So war es die Heckpartie von Fernando Alonsos Renault, die Räikkönen über weite Teile des Rennens hinweg erkunden durfte. “Solange einem langsameren Auto festzustecken, ist frustrierend und langweilig. Als ich endlich pushen konnte, war das Auto sehr gut, aber insgesamt war es schon zu spät”, berichtet der Finne. “Als ich auf Glock auflief, hatte ich ein mechanisches Problem im Heckbereich, also musste ich Tempo rausnehmen. Es war ein enttäuschendes Wochenende, aber zumindest habe ich mich mit einem annehmbaren Ergebnis zurückgemeldet.”

In der Meisterschaft nimmt Räikkönen mit 57 Punkten – und drei Punkten Vorsprung auf Massa – wieder unverhofft die Rolle des Zugpferds ein. “Kimi war für zwei Drittel des Rennens hinter Alonso, er konnte nur selten auf freier Strecke zeigen, was möglich gewesen wäre. Wir haben gezeigt, dass unser Paket mit Blick auf die Performance konkurrenzfähig ist, aber heute fehlte die nötige Zuverlässigkeit”, resümierte Technikchef Luca Baldisserri. Auch Teamchef Stefano Domenicali bedauerte den technischen Fauxpas aufrichtig: “Felipe ist das vielleicht beste Rennen seiner Karriere gefahren…”

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McLaren zwischen Sieg und Niederlage

Noch nichts entschieden

 

Es war ein seltsamer Sieg für McLaren Mercedes. Lewis Hamilton freute sich, Fernando Alonso suchte die Flucht in die Zukunft, Ron Dennis wusste nicht, was er fühlt, und das Team erhielt keine Punkte für die Ränge 1 und 4. “Was passiert ist, ist nicht schön, aber solche Dinge passieren, so ist der Sport, am Ende erreicht jeder seinen Platz”, sagte Alonso nach dem Rennen. “Es hat auch letztes Jahr einige sehr merkwürdige Entscheidung gegeben, und am Ende ist doch der Weltmeister geworden, der es wohl auch verdient hatte.” Aus seiner Sicht ganz bestimmt, immerhin hat er den Titel geholt.

“Es sind noch sechs Rennen zu fahren, da können noch mehr merkwürdige Dinge passieren, aber es wird hoffentlich auch derjenige gewinnen, der es verdient. Deshalb muss ich mich in diesen sechs Rennen auf die Dinge konzentrieren, die in meiner Macht liegen.” Sprich: die Leistung auf der Strecke. Die Strafe von Ungarn hat er verdrängt, vergessen wird er sie sicher nicht so schnell. “Ich versuche immer, das Maximum zu geben.” Die Vergangenheit habe mit Michael Schumachers Motorschaden im vorletzten Saisonrennen gezeigt, dass alles möglich ist. “Ich weiß, dass man nie vor dem letzten Rennen aufgeben darf.”

Deshalb wird McLaren sein Auto auch kontinuierlich weiterentwickeln. “Wir haben hier einen guten Schritt gemacht”, bestätigte Dennis. “Wir mussten am Ende des Rennens nicht mehr pushen. Hier ist es schwierig, zu überholen, also war es nicht nötig, unsere Rennpace zu demonstrieren.” Schon vor dem Rennen rechnete das Team damit, dass man mehr Sprit an Bord hatte als Ferrari. “Wir konnten viel länger fahren als Kimi”, bestätigte Dennis. Umso frustrierender ist es für ihn, ohne Konstrukteurspunkte abzureisen. “Es ist frustrierend ohne WM-Punkte wegzufahren, aber wir haben Schadensbegrenzung betrieben.”

Innerhalb der nächsten 24 Stunden werde man sich nun zusammensetzen und entscheiden, ob man gegen die Streichung der Konstrukteurs-Punkte Protest einlegen wird. “Danach werden wir versuchen, das Team bis zum nächsten Rennen zu beruhigen, damit wir in der Türkei eine ruhigeres Umfeld haben.” Denn noch ist der Titel kein Selbstläufer. “Ferrari ist weiterhin ein Gegner, es ist noch nichts entschieden”, wiederholte Alonso. “Man sieht ja, wie sich von einem Wochenende zum nächsten alles ändert, am Nürburgring blieben Kimi und Hamilton ohne Punkte, hier sind sie Erster und Zweiter. Ferrari ist da, aber mit jedem Rennen weniger wird es für sie natürlich schwieriger, und besser für uns.” Wenn man sich nicht selbst schlägt.

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