Lapthorne verlässt McLaren

Aufgabe erledigt

 

Nur ein Jahr, nachdem er die Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden bei McLaren übernommen hat, hat Richard Lapthorne das Unternehmen wieder verlassen. Er war voriges Jahr im April zu McLaren gestoßen, als Ron Dennis sich aus seinen Formel-1-Aufgaben zurückzog. Lapthorne war Aufsichtsratsvorsitzender bei der McLaren Group und gleichzeitig auch bei McLaren Automotive. Nach nur einem Jahr sieht er seinen Job als beendet an. “Im letzten Jahr hatten wir eine Liste mit Zielen”, äußerte er sich zur Times. “Ron und das Team waren bei der Zusammenarbeit toll und da die Firma für Straßenautos sich abspalten will, ist meine Aufgabe erledigt.”

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Heidfeld zweimal knapp dran

McLaren wollte ihn

 

Seit Wochen trainiert Nick Heidfeld hart für die neue Formel-1-Saison 2010. Die lange Testpause ermöglicht es ihm, voll durchzutrainieren und sich auf das anstehende Jahr vorzubereiten – doch noch herrscht Ungewissheit über seine Zukunft. Eigentlich schien diese zu Saisonende fast geklärt: Mit McLaren Mercedes hatte Heidfeld ein Topteam für 2010 gefunden.

“Wir haben lange über Nick nachgedacht und waren überrascht, dass er in den deutschen Medien nicht so hoch angesehen ist”, sagt Teamchef Martin Whitmarsh, der viel von Heidfeld hält und ihn gerne als Stammfahrer verpflichtet hätte. Auch die Statistiken und McLaren-Auswertungen sprachen für den Deutschen als McLaren-Stammpilot.

“Ich kann bestätigen, dass wir letztes Jahr mit McLaren verhandelt haben und in einer äußerst aussichtsreichen Position waren, um Nick einen Platz als Einsatzfahrer bei McLaren Mercedes als Teamkollege von Lewis Hamilton zu beschaffen”, bestätigte Heidfelds Manager Andre Theuerzeit gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Eiskalt erwischt

 

Doch die Dinge entwickelten sich in eine unerwartete Richtung: McLaren-Sponsor Vodafone gefiel die Vorstellung eines britischen Nationalteams mit Hamilton und Jenson Button, der seinerseits zu hoch bei Brawn GP pokerte und so Ross Brawn zu jenem folgenschweren Anruf bei Michael Schumacher bewegte. Zudem nutzte McLaren-Boss Ron Dennis die Gelegenheit, um seinem scheidenden Partner Mercedes eins auszuwischen und ihnen den Weltmeister samt der Startnummer 1 wegzuschnappen.

Heidfeld wurde von diesen Entwicklungen doppelt eiskalt erwischt: Erst bei McLaren, dann bei Mercedes, wo Michael Schumachers Rückkehr den eigentlich für ihn angedachten Stammplatz beim neuen Silberpfeilteam besetzte. Das Warten auf die Topteams hatte seinen Preis: zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt waren dann auch schon Plätze bei anderen Teams wie Lotus belegt. Derzeit haben nur noch Renault, USF1 und Campos jeweils ein freies Cockpit zu vergeben.

Auch über eine Rolle als Test- und Ersatzfahrer bei Mercedes GP wurde zuletzt spekuliert. Ross Brawn sagte dazu im Rahmen der Teampräsentation in Stuttgart: “Wir arbeiten an einem dritten Fahrer, aber es wäre verfrüht zu sagen, wo wir stehen. Es war bislang nicht unsere größte Priorität, aber es könnte nächste Woche etwas Neues geben.” Bis dahin soll und muss auch bei Heidfeld eine Entscheidung über seine Zukunft fallen.

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Whitmarsh vor der Amtsübernahme

Große Fußstapfen aber kaum Veränderungen

 

Es sind nur mehr wenige Tage bis Martin Whitmarsh offiziell das Zepter bei McLaren-Mercedes als Teamchef von Ron Dennis übernimmt. Was sich wie ein großer Wechsel anhört, wird von Whitmarsh selbst allerdings nicht so bedeutend gesehen. So habe sich bislang ohnehin kaum etwas geändert und auch auf weitere Sicht erwartet der zukünftige Teamchef keine großen Umwälzungen. “Zu Recht, könnte man sagen, denn Ron und ich haben die zentralen Unternehmensfragen stets gemeinsam diskutiert – kaum etwas geschieht, ohne dass der andere davon weiß. Davon abgesehen laufen die Dinge ja auch nicht so schlecht, dass Änderungen nötig wären. In vielerlei Hinsicht könnte man von einer 20-jährigen Übergangsphase sprechen – rechnen Sie also vor Melbourne nicht mit irgendwelchen radikalen Veränderungen”, sagte er in einem Interview mit der dpa .
Auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug geht davon aus, dass alles ähnlich weiterlaufen wird, schließlich hätte man seit Beginn der Zusammenarbeit mit McLaren vor eineinhalb Jahrzehnten ein Trio gebildet. “Wir sind ein eingespieltes Team mit vollstem Vertrauen zueinander und können uns auf kürzestem Weg abstimmen”, betonte er. Einen Streit um Kompetenzen erwartete Haug ohnehin nicht, schließlich sei Dennis als Vorsitzender und Geschäftsführer der McLaren-Gruppe weiter daran gelegen, dass die Formel-1-Mannschaft erfolgreich sei. “Es gibt hier kein Kompetenzgerangel sondern einen klar definierten Weg nach vorne, auf dem jeder stetig die von ihm zu erwartenden Schritte macht – und zwar mit Tempo”, so Haug.

Es wird schwierig

 

Whitmarsh war sich allerdings bewusst, dass er in große Fußstapfen tritt, ungeachtet der weiteren internen Kooperation. “Mir ist vollkommen bewusst, dass es unglaublich schwer sein wird, sich daneben zu behaupten. Da ich Ron während seiner gesamten Karriere beruflich am nächsten gestanden habe, weiß ich vielleicht besser als jeder andere, wie schwierig es sein wird, denn ich habe ja gesehen, wie hart Ron arbeitet.” Für den Sieg habe Dennis immer alles gegeben, konnte er nur betonen. Dass es in der Beziehung zu ihm Höhen und Tiefen gab, konnte Whitmarsh nicht verneinen, doch Dennis sei auch sehr großzügig gewesen. “Ich gebe das nicht gerne zu – nicht vor mir selbst und schon gar nicht gegenüber anderen, aber Ron hat mich über die Jahre geformt. Und ich denke auch ganz unbescheiden, dass ich ein offeneres Ohr bei ihm finde als jeder andere.”

Klar ist für Haug und Whitmarsh, dass man weiter gemeinsam Erfolge feiern will und sich gemeinsam auf die anstehenden Aufgaben konzentriert. “Ob es darum geht, das Rennteam auf einen Sieg einzuschwören oder die Gruppe zu stärken, damit wir die aktuelle Rezession ungebremst durchstehen. Die Formel 1 ist nichts für schwache Nerven, und jeder bei McLaren Mercedes lebt allein für den Gewinn von Rennen und Meisterschaften”, sagte der angehende Teamchef. Seine Aufgabe sah Whitmarsh dabei klar definiert: er soll den Titel bei den Fahrern und den Konstrukteuren holen. Wie groß das Ausmaß seiner Aufgabe dann tatsächlich ist, dazu wollte er lieber am Ende des Jahres Stellung nehmen.

Familienmitglied Lewis Hamilton

 

Sicher war sich Whitmarsh nur, dass es kein Problem sein wird, dass Dennis als starke Bezugsperson von Lewis Hamilton nun nicht mehr ständig beim Team sein wird. “Ich durfte Lewis in seiner frühen Karriere intensiver beobachten als sonst irgendwer und weiß seit langem, wie außergewöhnlich talentiert er ist. Ich würde also sagen, dass meine Beziehung zu Lewis enger ist als in der Vergangenheit zu anderen Fahrern”, erklärte er. Auch Hamiltons Vater kenne er gut und musste umgekehrt behaupten, dass der junge Brite das Team auch als Teil seiner Familie sehe. Ähnliches galt für Haug. “Wir alle haben ein prima Verhältnis zu Lewis, er war vor vier Jahren noch für zwei Jahre bei uns in Deutschland, als er in der Formel-3-Euroserie im DTM-Rahmenprogramm fuhr. Lewis ist seit über zehn Jahren in unserem Team, da kennt und schätzt man sich entweder extrem – oder man ist nicht mehr beieinander.”

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Irvine empfiehlt Hamilton Ferrari

Irgendwann muss er wechseln

 

Lewis Hamilton ist gerade mal seit Sonntagnachmittag Formel-1-Weltmeister, da empfiehlt ihm Ex-Ferrari-Pilot Eddie Irvine schon einen Wechsel: “Er wird vielleicht noch ein paar mehr Titel mit McLaren gewonnen. Er ist auch loyal gegenüber Ron Dennis, aber eines Tages muss er zu Ferrari wechseln”, sagte Irvine Virgin Media.

Irvine kennt die Scuderia aus eigener Erfahrung. “Ich war dort, ich weiß, wie es ist, für sie zu fahren – es ist anders als bei allen anderen Teams.”

Hamilton hat derweil ganz andere Ziele. “Ich möchte dieses Auto haben.” Gemeint ist nicht sein Weltmeister-McLaren vom Sonntag, sondern ein McLaren F1 Straßenwagen, den Ron Dennis ihm in der letzten Saison versprochen hat, sollte Hamilton drei WM-Titel gewinnen. “Ich werde so hart ich kann daran arbeiten, eines Tages Titel Nummer 3 einzufahren.” Ob Dennis wohl auch noch dazu stehen würde, wenn das mit einem Ferrari geschehen würde?

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Hamilton in letzter Kurve Weltmeister

Drama in Sao Paulo

 

In einem dramatischen Saisonfinale in Interlagos reichte Felipe Massa ein überlegener Sieg nicht zum Titelgewinn. Dabei schien eingangs der letzten Runde alles auf den Titelgewinn des Brasilianers zu deuten. Massa führte das Rennen deutlich an, Lewis Hamilton lag auf regennasser Fahrbahn nur auf Platz 6, musste an Sebastian Vettel vorbei, um den Titel zu gewinnen.

Vettel hatte Hamilton erst wenige Runden zuvor überholt und damit an den Rande des Abgrundes gebracht. Doch in der langen Zielkurve schoss Hamilton auf der Jagd auf Vettel an Timo Glock vorbei, der bis dahin auf Platz 4 gelegen hatte, aufgrund seiner Trockenreifen auf der nassen Bahn aber immens an Boden verlor und somit Hamilton zum Weltmeister machte.

“Es ist noch nicht angekommen”, so Hamilton. “Das war das intensivste Rennen meines Lebens. Ich bin McLaren so dankbar, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben. Auch vielen Dank an meine Familie. Ich war kurz davor, verrückt zu werden, ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe. Das ist einfach nur ein Traum.” Sehr zur Freude von Ron Dennis, der den ersten Fahrertitel seit Mika Häkkinen 1999 bejubeln durfte. “Lewis hat die WM verdient, schon im letzten Jahr war das so”, sagte er. “Jetzt hat er es gepackt.”

Der erste Regen

 

Die dramatische Inszenierung des WM-Finales hätte nicht besser sein können: nur wenige Minuten vor dem Start platzte der Regen nur so herunter. Aus dem Nichts wurden die Teams vom Wettergott überrascht. Die Rennleitung entschied sich dazu, das Rennen um 10 Minuten zu verschieben und so den Fahrern die Möglichkeit zu geben, ihre Reifen noch einmal an die Bedingungen anzupassen.

Für David Coulthard war das Abschiedsrennen schnell vorbei: bereits in der ersten Kurve wurde er von Nico Rosberg angeschoben und drehte sich in den zweiten Williams von Kazuki Nakajima hinein. Neben Coulthard schied auch Nelson Piquet in Runde 1 aus. Er drehte sich ins Aus und schlug sich den Heckflügel ab. Es folgte eine Safety-Car-Phase.

Der zweite Regen

 

Massa ließ sich von all dem nicht beeindrucken, er fuhr einen ungefährdeten Sieg heraus, musste jedoch darauf hoffen, dass Hamilton maximal Sechster wird. Diesen Gefallen wollte ihm der Brite nicht tun. Hamilton fuhr ein extrem taktisches Rennen, war sichtlich vorsichtig und mit gebremstem Schaum unterwegs – den gab es dafür in der Honda-Box, wo ein Feuerlöscher explodierte. So hing Hamilton rundenlang hinter dem Force India von Giancarlo Fisichella fest, um ja keinen Fehler bei einem Überholmanöver zu übergehen. Bis wenige Runden vor dem Ende das zweite Mal Regen einsetzte, ging diese Rechnung auf. Dann wurde er von Vettel überholt und in der McLaren-Box brach eine Welt zusammen. Doch innerhalb einer Runde sollte sich das Blatt noch einmal zu Gunsten des Briten wenden.

Die Statisten des dramatischsten WM-Finales der letzten Jahre waren Fernando Alonso und Kimi Räikkönen, die hinter Massa das Podium komplettierten. Platz 4 ist das Abschiedsgeschenk von Sebastian Vettel an Toro Rosso und der so wichtige 5. Platz ging an den neuen Weltmeister Lewis Hamilton. Timo Glock rettete den Toyota als Sechster vor Heikki Kovalainen und Jarno Trulli ins Ziel.

Schock bei Ferrari

 

“Mir fehlen im Moment die Worte”, sagte Massas Renningenieur Rob Smedley sichtlich schockiert am TV-Mikrofon. “Wir haben super Job erledigt, aber die WM um einen Punkt in der letzten Kurve verloren. Egal, das Leben geht trotzdem weiter.” Immerhin darf sich Ferrari mit der Konstrukteurs-WM trösten. “Leider hat es für Felipe nicht gereicht, aber er ist stark gefahren und hatte eine starke Saison.”

Dennoch war Massa enttäuscht. “Es war ein perfektes Rennen, alles ist perfekt gelaufen – bis zur letzten Kurve”, sagte er. “Ich bin stolz auf das Rennen, auf das Team, auf die Fans, die mich angetrieben haben. Es war ein sehr emotionaler Tag für mich. Es war fast alles geschafft, wir haben keinen Fehler gemacht und dann passiert so etwas.” So sei der Motorsport. “Das Rennen ist erst mit der Zielflagge zu Ende.” Die sah Timo Glock nicht mehr vor Lewis Hamilton.

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