Japan GP

Hamilton liebt das Chaos

 

Es begann langsam und nass, endete ruhig und nass, aber dazwischen brannte es in Fuji lichterloh – nicht nur an Satos Super Aguri. Für die Spannung im Grand Prix war der Regen perfekt, für die Spannung in der WM weniger. Denn Lewis Hamilton krönte sich nicht nur zum ersten Fuji-Sieger seit dreißig Jahren, er vergrößerte auch seinen WM-Vorsprung auf 12 Punkte. Denn sein Teamkollege und Titelrivale Fernando Alonso sah die Zielflagge nach einem heftigen Unfall nicht.

Die Safety Car Phase

 

Los ging es hinter dem Safety Car – für 19 Runden. Langweilig war die Anfangsphase deshalb jedoch nicht. Schon auf dem Weg in die Startaufstellung rutschte Kimi Räikkönen von der Strecke. Den ersten Dreher nach dem Safety Car Start fabrizierte Felipe Massa – es sollte nicht der letzte bleiben, auch nicht für ihn. Allerdings beging Massa den Fehler, dass er sich nach dem Dreher wieder auf seiner Position einreihte und später eine Drive Through Strafe für Überholen in der SC-Phase kassierte.

Kurz darauf kam Massa in Runde 2 an die Box und offenbarte den Grund für seinen Dreher: er fuhr mit Intermediates. Das gleiche Spiel bei seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen, der eine Runde später zum Reifenwechsel kam. Heikki Kovalainen meldete derweil im Boxenfunk, dass die Bedingungen sogar noch schlechter wurden. Räikkönen bestätigte das mit einer weiteren Fahrt neben die Strecke. “Man kann die Hand nicht vor Augen sehen – unglaublich. So können wir nicht weiterfahren”, funkte Ralf Schumacher an die Box. Jarno Trulli bestätigte: “Ich habe beinahe Coulthard getroffen. Die sollen sofort aufhören.” Die Ferrari fanden sich zu diesem Zeitpunkt auf den Plätzen 20 und 21 wieder.

Das Rennen

 

Nach 19. Runden hinter dem Safety Car gab es das erste Mal freie Fahrt. Vorne ging alles glatt: Hamilton führte vor Alonso. Dahinter knallte es das erste Mal: Jenson Button fuhr Nick Heidfeld in die Seite und verlor seinen Frontflügel. Nur wenige Sekunden danach dreht sich Alex Wurz in Massas Ferrari hinein und schied aus. Zu diesem Zeitpunkt fand sich Sebastian Vettel im Toro Rosso auf Platz 3 wieder. Weniger gut lief es für Takuma Sato: erst fuhr er sich den Frontflügel krumm, dann fing sein Auto beim Boxenstopp Feuer.

Im Mittelfeld schickte sich Räikkönen an, eine Aufholjagd zu starten. Erst kassierte er Ralf Schumacher, dann Adrian Sutil. Massa machte es weniger gut und fuhr mal wieder neben die Strecke, als er Barrichello ausweichen musste. Auch Alonso rodelte in diesem Rennabschnitt durch die Auslaufzone. Wie Räikkönen gab auch Robert Kubica richtig Gas. Er überholte die beiden Renault und griff dann nach Hamilton. Dabei ging er allerdings zu optimistisch zu Werke, fuhr dem Briten seitlich ins Auto und kassierte eine Drive Through Strafe.

Fernando Alonso verlor bei seinem Boxenstopp einige Positionen, wurde sogar von Heidfeld auf der Strecke überholt und gerade, als er wieder auf Räikkönen aufschloss, kam es zum nächsten großen Knall: Alonso schlug in Runde 41 in Kurve 5 in die Mauer ein – das Aus für den Weltmeister. “Das war einer dieser Aquaplaning-Momente, in denen man nichts mehr kontrollieren konnte”, so Alonso. Seine Berührung mit Sebastian Vettel einige Runden zuvor macht er dafür nicht verantwortlich. “Das Auto hat sich schon etwas komisch angefühlt, aber der Crash hatte damit nichts zu tun – es war Aquaplaning.”

Zum zweiten Mal rückte das Safety Car aus. Kurz bevor das Rennen wieder freigegeben werden sollte, entschieden sich die roten Bullen für eine weitere Verlängerung des Einsatzes von Bernd Mayländer. Sebastian Vettel fuhr Mark Webber ins Heck – der Red Bull lag auf Position 2, der Toro Rosso auf Position 3. Damit verlor jedes Red Bull-Team je einen möglichen Podestplatz. Webber kämpfte schon das gesamte Rennen mit einer Lebensmittelvergiftung und übergab sich sogar während des Grand Prix im Auto.

Das Ergebnis

 

Lewis Hamilton hatte trotz des ganzen Chaos keine Probleme – er fuhr vom Start bis zur Ziellinie beinahe ungefährdet um den Sieg. Dahinter wechselten sich die Inhaber der Podestplätze munter durch. In den Schlussrunden lag Heikki Kovalainen auf Platz 2, Felipe Massa auf 3, Kimi Räikkönen auf 4. Die Ferrari waren vom Ende des Feldes mit mehreren Boxenstopps über die gesamte Renndistanz verteilt bis in die Top-4 vorgefahren. Für Massa endete der Spaß sieben Runden vor dem Ende. Dann musste auch er zu einem weiteren Stopp hereinkommen. Somit blieb Ferrari eine Stallregie zugunsten des Titelanwärters Räikkönen erspart und es kam zum finnischen Duell um Rang 2.

Räikkönen fand jedoch keinen Weg vorbei. Hinter den Finnen fuhr David Coulthard auf Rang 4. Position 5 ging an Giancarlo Fisichella. Bis zur vorletzten Runde lag Nick Heidfeld auf Platz 6, dann musste er sein Auto am Streckenrand abstellen. Einen möglichen Podestplatz verlor er durch die Kollision mit Button. An seiner Stelle belegte Felipe Massa den 6. Platz. Dafür gab er in der letzten Runde noch einmal alles, duellierte sich über mehrere Kurven bis zur Ziellinie mit Robert Kubica, setzte sich letztlich aber durch. Den letzten Punkt sicherte sich Tonio Liuzzi vor Adrian Sutil. Liuzzi war das Rennen aus der Boxengasse angegangen.

In der Fahrer-WM führt Hamilton vor den letzten beiden Rennen in Shanghai und Sao Paulo mit 107 zu 95 Punkten vor Alonso. Der wiederum muss sich gegen Räikkönen zur Wehr setzen. Der Finne kam bis auf 5 Punkte an den Champion heran. “Ich werde jetzt versuchen die letzten zwei Rennen zu gewinnen”, kündigte Alonso an. “In gewisser weise habe ich ja sogar weniger Druck, da ich nichts mehr zu verlieren habe.”

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Europa GP

Alonso triumphiert im Regenchaos

9 Rennen, 9 Podestplätze – Lewis Hamilton war der Held der ersten Saisonhälfte. Als Rookie führt er die WM an und schwingt sich auf, der neue Superstar zu werden. Doch der Europa GP war nicht das Wochenende des jungen Briten. Am Samstag ein heftiger Unfall, erst am Sonntagmorgen bekam er von den Ärzten das Okay – er durfte fahren. Und wie! Schon in der ersten Kurve hatte er drei Plätze gutgemacht, dann der erste Rückschlag: Nick Heidfeld und Robert Kubica kollidierten, der Pole drehte sich und traf den Silberpfeil von Hamilton, der darauf langsamer wurde.

Doch jetzt sollte das Chaos erst richtig beginnen: der erwartete Eifelregen setzte ein, die Autos segelten im Sekundentakt durch die Gegend, drehten sich ins Kiesbett, rodelten über die Wiese. Die Teams reagierten sofort: alle kamen nach der ersten Runde an die Box; nur Kimi Räikkönen verpasste die Einfahrt. Der Finne rutschte aus der Boxeneinfahrt und musste so noch eine Runde auf Trockenreifen auf der nassen Fahrbahn absolvieren. So steuerten Massa und Alonso ihre Boxen als Führende an. Doch so kamen sie nicht wieder heraus.

Markus Winkelhock, der Debütant im Spyker, hatte schon vor dem Start den richtigen Riecher bewiesen. Der fünfte Deutsche im Feld fuhr schon nach der Einführungsrunde an die Box, zog Regenreifen auf und führte nun in seinem allerersten Grand Prix das Feld an. Obwohl er in diesem Jahr noch nicht einmal genügend F1-Testkilometer für eine Superlizenz gefahren ist, fuhr er fehlerfrei durch den Regen zu Füßen der Nürburg. “Das Team hat mich direkt an die Box geholt”, sagte Winkelhock hinterher. “Wir sind das Risiko eingegangen und es hat sich bezahlt gemacht.” Der Anblick der Boxentafel machte ihn aber etwas perplex. “Als ich P1 gelesen habe, dachte ich nur: Führungskilometer in der F1, das hat man sein leben lang, das kann mir keiner mehr nehmen.”

Das Chaos war damit noch lange nicht beendet – es begann erst. Die Teams hatten sich beim Boxenstopp für Intermediates entschieden, doch das war eine falsche Entscheidung. “Wir haben die falschen Reifen gewählt”, gestand Nico Rosberg stellvertretend für alle Fahrer. “Es hieß erst, dass es nur wenig regnen würde, dann kam aber der ganze Regen herunter.” Ralf Schumacher beschrieb die Verhältnisse einfach nur als “Katastrophe”. So flogen die Fahrer in der ersten Kurve gleich im Dutzend ab. Button machte den Anfang, dann folgten Hamilton, Sutil und Liuzzi. An anderen Stellen sah es ähnlich aus. Nur Hamilton hatte Glück im Unglück: er hielt den Motor am Leben, ließ sich vom Bagger aus dem Kiesbett heben und fuhr weiter. Seine Podiumsserie riss trotzdem. Dennoch machte er mit seiner Aufholjagd und dem Kampf gegen alle Widrigkeiten das Beste daraus.

Die Rennleitung konnte nur eines machen: das Safety Car herausschicken. Kurz darauf wurde das Rennen sogar unterbrochen und um 14:35 hinter dem Safety Car erneut gestartet. Für den Helden des Regenteils war das Rennen dann bald zu Ende. “Mein Ziel war es, das Rennen zu beenden”, sagte Markus Winkelhock. “Leider hatte ich einen Motorschaden, aber das war zum Glück nicht mein Fehler. Das Wochenende war also trotzdem irgendwie erfolgreich.” Ganz anders sah es für Ralf Schumacher aus. Er kollidierte mit Nick Heidfeld, der damit schon die zweite Kollision des Rennens hatte. “Nick ist ein sehr fairer Pilot, das war eine Rennsituation, aber es ist ärgerlich, weil es unnötig war”, klagte der angesäuerte Ralf. Die Rennstewards kündigten eine Untersuchung des Vorfalls an. “Ich wusste schon vorher, dass er da sein könnte, aber er war zu keiner Zeit nah genug, um einen Versuch zu wagen”, beschrieb Ralf die Situation. “Ich dachte, er schaltet und zieht früher zurück. Da habe ich Pech gehabt.” Zumindest gab es eine Entschuldigung vom frisch gebackenen zweifachen Familienvater Heidfeld: er hob bei der nächsten Boxenvorbeifahrt entschuldigend die Hand.

An der Spitze sah derweil alles nach einem Dreikampf der verbliebenen Spitzenpiloten aus: Massa führte vor Alonso und Räikkönen. Dann der nächste Schock: Kimi Räikkönens Ferrari rollte langsam aus. Während Massa seinen Vorsprung auf Alonso ausbaute, musste der Finne aufgeben – aus war der Traum vom Sieg-Hattrick nach Magny Cours und Silverstone. Der Nürburgringfluch des Iceman hatte wieder zugeschlagen. Hinter Massa und Alonso entbrannte ein heißer Kampf um den frei gewordenen Podestplatz. Durch das Eifelchaos waren beide Red Bull von Mark Webber und David Coulthard, Alex Wurz sowie Heikki Kovalainen nach vorne gespült worden.

Kovalainen verabschiedete sich freiwillig aus dieser Gruppe: auf Platz 5 liegend ging er das Risiko ein, wechselte 10 Runden vor dem Ende auf Intermediates, noch bevor es zum zweiten Mal anfing zu regnen. 7 Runden vor dem Ende kamen auch die Führenden zum vierten Mal an die Box; auch bei ihnen waren Intermediates gefragt. Diesmal war das die richtige Entscheidung: der Regen war bei weitem nicht so stark wie in der Anfangsphase. Deswegen kam es zum Duell um den Sieg: Alonso machte nach dem Stopp den Vorsprung wett und attackierte Massa im Eifelregen am Nürburgring. Den ersten Angriff konnte Massa noch abwehren, beim zweiten Versuch kam es zur Berührung, Rauch stieg auf, aber Alonso schnappte sich Massa und ging fünf Runden vor Schluss in Führung!

Sah es im Trockenen noch so aus, als ob Felipe Massa der sichere Sieger sei, wendete sich das Blatt mit den zweiten Regentropfen des Tages. Aus sechs Sekunden Vorsprung wurde ein steigender Rückstand für den Brasilianer. Für Alonso war es der dritte Saisonsieg nach Malaysia und Monaco. Neben ihm standen Massa und Mark Webber auf dem Podium, wobei Webber den Podestplatz fast noch in der letzten Kurve an Wurz verlor. Die Punkteränge komplettierten eben dieser Wurz, Coulthard, Heidfeld, Kubica und Kovalainen. Für den Finnen ging das Glücksspiel mit dem frühen Reifenwechsel nicht auf. Er fiel von Platz 5 auf Platz 8 zurück. In der Fahrer-WM rückten die Top-4 weiter zusammen: Alonso (68 Punkte) liegt nun nur noch zwei Punkte hinter Hamilton (70), der am Nürburgring als Neunter leer ausging. Auf Platz 3 liegt wieder Felipe Massa mit 59 Punkten vor Kimi Räikkönen mit 52 Punkten.

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